Interview mit Ferdy Doernberg 13.09.16

Am Dienstag, 13.09.2016 haben wir uns mit Ferdy Doernberg zum Interview über sein neues Album getroffen "Appetitanregende Lieder für überfütterte Menschen", aber lest selbst:

 

MOSTLY HARMLESS: Hallo Ferdy,

 

FERDY: Hallo

MOSTLY HARMLESS: Schön, dass du Zeit hast für uns, noch kurz vor der Show heute Abend in Frankfurt

FERDY: Gerne

MOSTLY HARMLESS: Du hast ein neues Soloalbum, richtig?

FERDY: Genau, Orexigenic songs for overfed people (Appetitanregende Lieder für überfütterte Menschen) das ist die neue Platte (grinst)

MOSTLY HARMLESS: Und das macht das Thema schon relativ schwierig, weil wir konnten ja nicht reinhören. Hast du einen Lieblingssong auf der CD?

FERDY: Mmmmmm (denkt nach), das wechselt natürlich dauernd. Wenn ich für eine andere Band einen Song schreibe, dann ist es oft auch Handwerk. Das heißt: man sagt die Akkorde und Texte gut zusammenpassen. Aber es ist nicht so extrem wichtig, dass es autobiografisch ist. Bei den Solo-Sachen ist mit sehr wichtig, dass es autobiografisch ist. Deshalb ist es auch so, dass ich teilweise Songs habe, die ich gelungen finde, die aber in die jetzige Lebenssituation nicht so passen. Zum Beispiel: ich bin gerade frisch getrennt und habe ein total tollen Verliebungssong, dass ich den dann auf diese Platte nicht aufnehme. Sondern der bleibt dann in der Schublade, und kommt auf die nächsten - wenn er da passt.

MOSTLY HARMLESS: Ok, das heißt also deine CD ist so richtig dein ding. Das was du gut findest, das was du möchtest. Das was dich in deinem Leben bewegt?

FERDY: Genau, andere Sachen finde ich auch gut. Ich bin persönlich musikalisch sehr offen für alle möglichen Dinge. Bei mir geht das von Jazz bis Punkrock.

MOSTLY HARMLESS: Was ist das was sich auf der CD durchzieht, was dich gerade bewegt?

FERDY: Die CD ist witziger Weise sozusagen meine Trennungscd, da ich mich gerade scheiden lasse, und sowas arbeitet man auch in Songs auf. Aber jetzt auch eher auf die humoristische Art und Weise. Es gibt einen Song „my soon to be ex wife says“, da hat sie Bass gespielt. Da hat sie ein bisschen Humor bewiesen. Aber ich bin auch nicht der Typ der sagt „oh die Welt ist so böse, und ich wurde so schlecht behandelt“. Das ist dann mehr so ein Jammersong, das gibt es von mir halt nicht. Es ist mehr eine Komedienummer eigentlich. Die zwar in der ersten Hälfte schon noch von dieser Trennung handelt, aber danach fängt, dass dann auch ein bisschen abstrakt und obskur zu werden, weil dann Beziehungen mit Band verglichen werden, und dann geht’s um die Karriere einer Band, wenn die sich dann trennen und dann die große Réunion. Das ist dann schon wieder mehr Komödie

MOSTLY HARMLESS: Gehst du auf Tour mit deiner neuen CD?

FERDY: Ja ich spiel ja schon immer, wenn ich Zeit habe.

MOSTLY HARMLESS: Wenn es ja so lustig rüberkommt, und du auch die Trennungssachen in deinen Liedern verarbeitest und auf Tour spielst. Wie sind denn dann die Angebote von den weiblichen Fans?

FERDY: Ach Gott, ich bin da ja nicht so der Typ. Nee das hält sich in Grenzen.

MOSTLY HARMLESS: Naja so als Musiker auf der Bühne

FERDY: Also das wird ehrlichgesagt ja ziemlich überbewertet.

MOSTLY HARMLESS: Echt?

FERDY: Ja, die 80er sind ja vorbei, so die große Groupiezeit, das war auch vor meiner Zeit. Also als es noch kein Aids gab und so, muss das schon anders gewesen sein. Aber heutzutage hat sich das A relativiert und B ist es allerdings auch so, es gibt noch Groupies aber die siehst du dann bei irgendwelchen Konzerten, mit allem was runterhängt hochgesteckt (Mostly lachen) und dann stehe sie halt da.

MOSTLY HARMLESS: Und alle Songs beinhalten die Trennung?

FERDY: Nein, 2 von 18 Stück. (lacht)

MOSTLY HARMLESS: Und was sind die anderen 16?

FERDY: Alles Mögliche. Wie gesagt die Solosachen sind schon immer mehr persönlich, aber auch kleine witzige Wortspiele. Es gibt Songs wo man sagt ok, dieser Song ist nur über dieses Thema. Bei meinen Songs ist das eigentlich gar nicht so. Meine Songs haben auch innerhalb des Songs 17 verschiedene Wendungen. Da erkennt man dann nur in einem Nebensatz – ach das ist eigentlich ein Liebeslied. Es ist eher nicht so offensichtlich. Ich mag diese offensichtlichen Texte nicht so.

MOSTLY HARMLESS: Wie du schon erwähnt hast, bist du ja auch Produzent, spielst in unendlichen vielen Bands. Du hast ne eigenen Band, hast Soloprojekte.

FERDY: Fest ist es jetzt nicht so viel. Fest spiele ich bei Axel Rudi Pell, Matt Gonzo Roehr (Official Site), Rough Silk und als angeschlossenes Mitglied bei Rotz & Wasser.

MOSTLY HARMLESS: Wie ist es den mit so vielen Aktivitäten dein Tagesablauf?

FERDY: Gut das kommt drauf an, ob ich auf Tour bin oder zu Hause, ob ich in der Produktion bin oder nicht.

MOSTLY HARMLESS: Ok, dann reden wir mal von zu Hause, ohne dass ein Platte aufgenommen wird. So rein privat

FERDY: Bei mir hat alles irgendwie mit Musik zu tun. Es ist wenig, was nicht mit Musik zu tun hat. Ich lese zwar viel, aber das findet sich dann in irgendwelchen Texten wieder oder ich gucke DVD, das inspiriert mich auch. Ich habe jetzt nicht als Hobby z.Bsp. noch Western reiten. So ein komplett artfremdes Hobby habe ich nicht. Ich habe jahrelang Jiu-Jitsu gemacht, aber das habe ich dann aufgehört, wegen der Musik, weil ich Angst hatte mir die Finger zu brechen. Das ist der gleiche Grund warum ich nicht Motorrad fahre, das ist als Musiker einfach zu riskant. Ich unterrichte noch, wenn ich nicht auf Tour bin – Klavier, Gitarre und Trompeten. Aber das ist natürlich jetzt nicht tagesfüllend, die kommen immer zwischendurch mal angekleckert. Teilweise auch an der Musikschule, da bin ich dann am Nachmittag. Ansonsten das übliche, ich geh gerne auf Konzerte, treffe mich mit Freunden.

MOSTLY HARMLESS: Echt du gehst gerne noch auf Konzerte? Das ist ja eher untypisch

FERDY: Ich gehe sehr gerne auf Konzerte. Ich kenn auch viele Musiker, die das nicht gerne machen. Ich aber kaufe noch ganz ganze viele CDs und gehe auch auf Konzerte. Ich gehe aber eher auf kleine Sachen, ich mag eher Clubkonzerte, wo ich dann auch die Gesichter der Leute sehe. Große Sachen sehe ich mir eher an, wenn ich selber spiele. Vielleicht von der Seite der Bühne mal anschaue. Aber das ist jetzt so auf Großkonzerte gehe, mach ich einfach weniger, ist mir dann das Geld auch nicht wert.

MOSTLY HARMLESS: Wie läuft den bei dir so ein Schreibprozess für einen neuen Song?

FERDY: Ganz unterschiedlich, meisten ist bei meinen Solosachen, dass es mit den Texten anfängt. Das ich erst irgendwie so ein cooler Satz der mir einfällt, den ich vor ewigen Zeiten auf eine Servierte geschrieben habe und mit mir rumtrage oder der in der Schublade landet und irgendwann, passt dann mal irgendwas dazu. oder du schreibst einfach mal eine Strophe auf, die du dann erstmal mit den drei Bob Dylan Akkorde spielst und später kann man das dann musikalisch interessanter gestalten. Der Text ist ja dann schon in sich fertig, es geht dann mehr darum, dass er ein Reimschema hat und dass die Längen alle passen. Das kann man erstmal auf irgendwas schreiben. Es ist nicht immer so, dass der Text auf die bereits fertige Melodie geschrieben werden muss. Es geht erstmal darum, dass die längen der Zeilen stimmen, das der Grouve stimmt. Und das bringt man dann zusammen.

MOSTLY HARMLESS: Was war die letzte Textzeile auf der Serviette?

FERDY: Ohhhhh, schwierig – denkt nach. Bei mir ist das aber auch eher so Schubladen-Leerung. Im Moment suche ich auch gar nicht. Ich schreib zwar mal was auf, wenn mir was einfällt.

MOSTLY HARMLESS: Wann fallen dir so Sachen ein? Beim Lesen? Oder DVD schauen?

FERDY: Einfach so, beim zum Beispiel durch die Gegend fahren, ich sag mal meine nicht aufgenommenen Wortespiele und Ideen sag ich natürlich nicht so gerne.

MOSTLY HARMLESS: Na dann hau doch jetzt mal ein raus

FERDY: Nein, das mach ich gerade nicht.

MOSTLY HARMLESS: Irgendeinen kleinen?

FERDY: Nein, zum Beispiel meine neue Platte sollte bis kurz vor Fertigstellung noch „Positiv Songs for negativ peole“ heißen. Dann lass ich eine Vorankündigung der neuen Frank Turner Platte – die ich übrigens großartig finde – die genauso heißt. Dann konnte ich das natürlich nicht verwerten, das wäre albern gewesen, das wäre geklaut und deshalb ich meinen Titel gewählt.

MOSTLY HARMLESS: Warum ist es ausgerechnet, die Platte die man jetzt kaufen sollte?

FERDY: Es ist die Neuste, nein man kann auch Eine davor kaufen oder Die davor. Die davor ist etwas anders, sie war sehr viel experimenteller, die davor war eigentlich schon so der Vorgänger von der Neuen. Ich habe bis jetzt 6 Solo-Platten gemacht und die 1,3,4 und die Neue sind in einer Linie und die 2 und 5 waren sehr experimentell - das war mehr eine Schubladenleerung.

MOSTLY HARMLESS: Wo spielst du den Solo?

FERDY: Das meiste sind Kultur-Zentren, so kleine Clubs. Aber momentan ist nichts, ich habe bis Weihnachten kein freies Wochenende mehr, an dem ich ein Solo-Konzert spielen könnte. Ich wollte eigentlich dieses Jahr mehr Solo machen. Nach der Tour spiele ich ein paar Gigs in Holland.

MOSTLY HARMLESS: Wie Promotest du deine CDS?

FERDY: Der Vorteil meiner CDs sind, dass sie zeitlos sind, ich mache nicht jedes Jahr eine neue Platte, und muss bis dahin die Alte abverkauft haben. Sondern ich mach das alle 4 Jahre ungefähr. Das heißt ich kann die die Jahre über die Bühne verkaufen und irgendwann habe ich alle verkauft. Ich verkauf sie old school von der Bühne.

MOSTLY HARMLESS: Was war das peinlichste was dir auf der Bühne passiert ist.

FERDY: (Überlegt………… und grinst schließlich), das war´s mit meiner Seriosität, ich spiele als Gastmusiker bei der Band Rotz & Wasser. Die tragen bei ihren Auftritten rote Jogginganzüge, als ich da anfing braucht man mir einen roten Anzug mit, der war Größe S. Das war die Abteilung Wurstpelle, da habe ich mich geweigert. Da durfte ich so spielen. Aber jetzt haben Sie ihr Outfit umgestellt, sie haben jetzt neckische Matrosenanzüge. Oben ein Matrosenoberteil und unten eine Seemannsunterhose (Mostly lachen). Als wir dieses Jahr auf dem Spreewaldrock spielten, kamen sie und hatten sie mir auch einen „Anzug“ besorgt und der passte dann auch leider von der Größe. Sagen wir mal so: Der Anzug ist für Akkordeonisten deutlich peinlicher wie für Gitarristen. Weil das Akkordeon weitaus höher hängt. Ich habe das nicht gewusst, dass sie mir das mitbringen und hatte nur Boxershorts mit, da sieht man alles drin und ich habe mich dann zwischen den Stücken immer nach hinten gedreht um alles wieder zu ordnen. Seitdem habe ich jetzt immer 3 normale Unterhosen mit. (alle lachen)

MOSTLY HARMLESS: Die letzten Worte gelten dir, was möchtest du den Leuten sagen?

FERDY: Ich würde mir wünschen, dass die Leute etwas offener sind und fernab ihrer Schubladen denken / handeln.

MOSTLY HARMLESS: Wir bedanken uns bei dir für das super Interview und wünschen dir einen geilen Gig nachher.