Spontan Interview mit Olly Uhl - Crewmitglied bei Axel Rudi Pell 13.09.2016

Auf dem Konzert von Axel Rudi Pell, hat sich spontan ein Interview mit dem Crew-Mitglied Olly Uhl ergeben. Es war sehr interessant, aber lest selbst.

 

MOSTLY: Hallo Olly, vielen Dank für das spontane Interview.

OLLY: Sehr gerne.

MOSTLY: Was sind deine Aufgaben, deine Einsatzgebiete? Was machst du genau?

OLLY: Hier bei Axel Rudi Pell bin ich Drum-tec. Das heißt, ich baue das Schlagzeug auf, maintaine es, baue es nach der Show wieder ab und betreue während der Show den Schlagzeuger. Es gibt immer wechselnde Aufgaben, das ist bei jedem Musiker anders und ansonsten arbeite ich auch viel als Tourneeleitung. Guitar-tec mache ich noch. Das ist mein Aufgabengebiet.

MOSTLY: Für wen machst du Tourneeleitung?

OLLY: Für unterschiedliche Bands, ich habe jetzt gerade Tourneeleitung bei Rainbow gemacht - auf der Loreley im Sommer und in Stuttgart - die Open Airs. Kenny Wayne Shepherd ist eine Band von mir, Joe Satriani auch. Wen haben wir denn noch? (überlegt)  Lee Ritenour und noch einige mehr.

MOSTLY: Du machst das schon ein paar Jahre (seit 1978), da sind dir doch bestimmt schon viele lustige Dinge passiert. Was ist denn da so passiert?

OLLY: Spontan…. (überlegt), da passiert jeden Tag irgendwas Komisches. Es gibt ja die Situationskomik.

MOSTLY: So die Highlights. 1 Highlight – das Lustigste überhaupt?

OLLY: Ach Gott, allein die Nummer, das du bei einer Band, bei der letzten Show von der Tour ein paar Jokes machst. Was immer gerne genommen wird ist, wenn dann die Band vor den Zugaben von der Bühne geht und du dann in der Zwischenzeit, bis die Band wieder auf die Bühne kommt, z.B. die Hi-Hat mit Mehl befüllst (Mostly lachen). Wenn dann der verschwitze Schlagzeuger hinter dem Schlagzeug sitzt und auf die Hi-hat schlägt, sieht er nach der Nummer dann ziemlich weiß aus. Es sind so Kleinigkeiten (überlegt und überlegt).

MOSTLY: Vielleicht etwas Peinliches?

OLLY: (Denkt nach) spontan ganz schwierig.

MOSTLY: Das Schönste, was ist deine schönste Erinnerung?

OLLY: Das Schönste an sich ist mein Job überhaupt, ich liebe meinen Job. Ich möchte auch nichts Anderes machen und das ist eigentlich schön genug. Es gibt natürlich Bands mit denen bist du lieber auf Tour, mit denen sind die Tourneen schöner, es gibt Bands da machste halt deinen Job, erfüllst deine Anforderungen. Es kommt aber immer sehr auf deinen Arbeitgeber an, mit dem du gerade unterwegs bist.

MOSTLY: Du machst das ja seit 1978. Mit welchen Bands warst du denn schon auf Tour?

OLLY: Ich habe Touren gemacht mit einer Italienerin Namens Milva, über Mireille Mathieu, über die deutsche Krautrockszene damals unter anderem Novalis. Aber auch die deutsche Metal-Szene in den 80ern: Bonfire, Helloween, Warlock - die Abteilung. Ich war mit Iron Maiden auf Tour, ich habe zwei Tourneen mit Judas Priest gemacht, ich war mit Ozzy Osbourne auf Tour, Scorpions, Deep Purple, um mal ein paar bekanntere Namen zu nennen. Ich habe knapp 3 Jahre in den Staaten gelebt und dort gearbeitet. Ich war von 1981 bis fast 1985 mit einer kanadischen Band namens Saga unterwegs. Wir waren sehr eng, wir waren auf der ganzen Welt miteinander unterwegs. Das sind so ein paar Namen.

MOSTLY: Ist das Arbeiten in den Staaten anders als hier?

OLLY: Ja, das Arbeiten war für mich als ich in die Staaten kam eine sehr große Umstellung. Wir kannten damals, das war ja in den 80ern, den Begriff Union noch nicht. Also sprich der Gewerkschaften. Ich kam dann da rüber und war das europäische Arbeiten gewohnt. Hab dann auch promt mit den Gewerkschaften stress gekriegt. Es gibt dort feste Roles, es gibt eine Crew die ist nur fürs Be- und Entladen zuständig – das sind die sogenannten Loader, dann gibt es eine Crew die schieben nur Kisten von A nach B, das sind die Pusher, und dann gibt es die eigentliche Stagecrew, diese macht nichts Anderes als auf der Bühne helfen. Wenn du jetzt zu einem Loader sagst komm doch mal bitte hoch und hilf mir mal, dann sagt der zu dir sorry, aber das ist nicht mein Aufgabengebiet, da musstest du dich schon mal umgewöhnen. Dann darfst du darüber auch nicht selbst nichts machen, also ich darf nicht selber in den Truck gehen und irgendein Case anfassen, ich darf nicht selbst irgendein Case zur Bühne pushen. Es gibt natürlich Städte da sind die Gewerkschaften etwas strenger, NY Madison Square Garden ist schon ziemlich bitter. Dann gibt es dort auch den Begriff der Dark Stage, das kannte ich auch nicht. Um 12h gehen in der Halle die Lichter aus und alle gehen dann gemeinsam zum Lunch. Für eine Stunde ist dann Darkstage, eine Stunde lang darf keiner auf die Bühne. Das ist gewerkschaftlich so vorgegeben und nach einer Stunde geht es dann weiter. Es ist Gewohnheitssache, man gewöhnt sich daran.

MOSTLY: Gibt es irgendeine Location bei der du sagst, da war es besonders cool?

OLLY: Früher war touren in Deutschland – als ich angefangen habe – noch eine ganz andere Nummer. Da hattest du große Hallen, meist Turnhalle Typ A und da stand dann irgendeine Bühne drin und dann hast du einen typischen Sporthallenboden der nachgibt, der wurde dann mit Pressspanplatten ausgelegt und da bist du dann mit deinen Kisten langgerumpelt. Stapler durfte auch nicht rein, weil dann der Boden eingebrochen wäre. Da hat sich natürlich mittlerweile einiges getan in Deutschland und auch in Europa generell. Auch gerade in der Club Szene. Clubs in den 80ern böse böse böse, das waren noch richtige Sifflöcher, auch technisch, das war einfach nicht so. Heute zählt ja auch ein Laden wie die Batschkapp zu den deutschen Clubs. Sie wird als Club gehandelt. Ein richtiger Club ist mitten in der City, keine Parkmöglichkeiten, eine steile Treppe nach unten – eigentlich wie die Batschkapp früher, das ist genau wie die Clublandschaften waren. Wo du das heute noch hast, ist in England. Ansonsten hat sich da sehr viel getan, vor allem auch im Bereich der Technik. Du machst heute Festivals, da hängen pro Seite 2 Bananen runter, da hättest du früher 4 Trailer Holz reingebaut. Da hat sich natürlich der ganze Rock´n´Roll positiv entwickelt. Es ist alles sehr viel leichter geworden. Auch das Catering hat sich verändert, früher war es ein Toastbrot und Butter und abends war es take away oder Pizza aus der Pappschachtel. Später kamen dann die ersten Nightliner und Cateringfirmen dazu. Ich kann mich noch erinnern, die erste Zeit Nightliner in Deutschland waren umgebaute Reisebusse – irgendeiner hat die Marktlücke erkannt in Deutschland und hat einen Reisebus genommen, sich bei der Bundeswehr alte Stockbetten eingekauft und hat die Stockbetten reingebaut und mit Lochband befestigt. Jedes Mal, wenn der Bus angefahren ist bist du im Bett mit dem kompletten Bett nach vorne und beim Bremsen wieder zurück. Das war schon sehr abenteuerlich. Heute sind es richtige Reiseheime mit Mikrowelle, Spülbecken und Porzellan. Wir saufen den Wein nicht aus Pappbechern sondern aus dem Glas

MOSTLY: Das Bild hast du jetzt für alle zerstört. (alle lachen)

OLLY: Ja, auch bei uns ist etwas Kultur eingezogen. Es gibt Kühlschränke, es gibt A/C. Auch wir im Rock´n´Roll sind mit der Entwicklung nicht stehen geblieben.

MOSTLY: Hast du mal selbst Lust gehabt in einer Band zu spielen?

OLLY: Ich habe als junger Mensch mal versucht Gitarre zu spielen, hab es auch bis zu einer Band geschafft. Wir haben glaub ich 2-3 Gigs in irgendeinem Jugendpfarrhaus gespielt und danach hat sich die Band relativ schnell aufgelöst, weil der Drummer was mit der Keyboarderin angefangen hat und dem Bassisten hat das nicht gepasst. Da war die ganze Nummer schnell beendet

MOSTLY: Der ganze Traum vom Rock´n´Roll wegen der Mädels dahin.

OLLY: ich habe damals schon mit 14 angefangen für eine TOP 40 Band zu arbeiten. Ich stand bei meinen Eltern aufm Balkon und habe da irgendwo live Musik gehört, ich hatte direkten Blick auf die Schule bei uns, mit einer Glasbacksteinwand, und dahinter waren bunte Lichter. Da dachte ich, da geh ich mal gucken und da habe ich das erste Mal diese Band, Eldorado hießen die, gesehen. Ich war total begeistert, hab dann das Gespräch gesucht. Die haben mir gesagt sie sind jedes Wochenende unterwegs und bli bla blubb. Ich habe mich dann immer von meinen Eltern dahin fahren lassen und bin dann immer früher da gewesen und hab geholfen beim reintragen und habe denen Löcher in Bauch gefragt. Eines Tages nach der Show kam der Sänger von der Band zu mir und drückte mir 20DM in die Hand und sagte zu mir „Eh du bist jetzt seit Wochen immer regelmäßig da und hilfst, wir haben jetzt beschlossen, immer, wenn du kommst und hilfst bekommst du 20 DM und so ging es los…. Das zog sich dann durch meine komplette Schul- und Bundeswehrzeit, und für mich war klar in diesem Bereich möchte ich arbeiten. Mit der Gitarre hat es nicht funktioniert, das andere macht genauso viel Spaß. So kam das.

MOSTLY: Gehst du noch auf Konzerte? Zum Feiern?

OLLY: Zum Feiern nicht. Ich geh auf andere Konzerte, aber das müssen ausgesuchte Bands sein, die mich sehr interessieren. Typische Band, wo ich eigentlich ungern ein Konzert auf der laufenden Tour verpasse ist Rammstein. Ist eigentlich noch nicht mal wegen der Musik, sondern wegen der Show. Die ist richtig geil. Ich habe natürlich das Glück das ich durch meinen Job sehr viele Leute kenne und dadurch A, mir keine Karten mehr kaufen muss, wenn ich auf eine Show will und B, den großen Vorteil habe das ich entweder vorne im FOH Bereich oder an der Bühne stehen kann. Ich hasse es im Publikum zu stehen, da wird geschubst und ich bin das nicht gewohnt und bin zu alt für diesen Scheiß und du kannst Backstage aufs Klo gehen.

MOSTLY: Dann vielen Dank für das Interview und ich wünsche dir heute Abend viel Spaß.