Mostly Harmless: Hallo Daniel, vielen Dank, dass du dir während des Festival die Zeit für uns nimmst.

Daniel: Hallo, gerne.

 

Mostly Harmless: Wie ist die Organisation für das Baltic Open Air abgelaufen?

Daniel: Schön, komplett neues Gelände, komplett neue Herausforderungen. Vorher waren wir in einem anderen Stadtteil - in der Stadt-, jetzt sind wir aufs Land gezogen. Wir haben 8 Gemeinden mit eingebunden. Das ganze Ding ist dazu auch noch gewachsen. Auf dem alten Gelände kamst du auf eine Wiese, hattest kein Wasser, kein Abwasser, kein Strom – du hattest eigentlich gar nichts. Jetzt haben wir hier mega Leistung, wir haben eine Glasfaserleitung - einfach alles.

 

Mostly Harmless: Aus wie viele Leuten besteht euer Organisationsteam?

Daniel: Aus 300 Leuten. Das Büro ist ganz klein, es ist relativ familiär. Dazu kommen alle Mitwirkende wie Landwirte, ausgelagerte Unternehmen, Technikcrew, Stromcrew und und zusammen sind es knapp 300 Personen.

 

Mostly Harmless: Werdet ihr dabei auch von ehrenamtlichen Helfern unterstützt?

Daniel: Außer die Polizei, ist keiner dabei der das unentgeltlich macht. Das ist aber in diesem Jahr das erste Mal. Wir kriegen viel Unterstützung von Behörden und Gemeinden, bei Sachen die wir normalerweise teuer bezahlen müssten, wie zum Beispiel: In Form von Schildern sowie gemähten Wegen. Das ist sehr viel Wert.

 

Mostly Harmless: Welches Gelände findest du besser?

Daniel: Das hier definitiv. Es ist natürlich so, dass wir jetzt neue Herausforderungen haben. An der Anfahrt müssen wir noch arbeiten. Hat auch funktioniert, aber natürlich gab es einen Anfahrtsstau. Es wird etwas dauern, bis wir alles im Griff haben. Für die Anfahrt heute (Anmerkung Mostly Harmless Samstag) haben wir z.Bsp. weitere Flächen dazu bekommen und wir haben die Leute schneller auf den Weg bekommen.

 

Mostly Harmless: Wie viele Besucher fasst das neue Gelände?

Daniel: Pro Tag können 25.000 Besucher auf das Gelände. Wir können das Gelände aber wie einen Legobaukasten erweitern und neu variieren. Wir haben die Möglichkeit die ein oder andere Wiese dazu zunehmen. Durch die Kooperation mit unseren Landwirten und der Gemeinden, können wir das Gelände anpassen und frei gestalten. Wir haben noch sehr viele Ressourcen.

 

Mostly Harmless: Wie viele Besucher sind dieses Jahr hier?

Daniel: Über das ganze Wochenende verteilt, haben wir knapp 40.000 Besucher.

 

Mostly Harmless: Gehst du selbst auf Festivals, um dir z.Bsp. Anregungen zu holen?

Daniel: Gar nicht! Doch natürlich. Ich habe mein Leben lang in der Branche gearbeitet. Da habe ich mir natürlich auch etwas von anderen Festival abgeschaut, dass ganz klar. Aber es ist inzwischen so, dass sich andere Festivals von uns was abschauen.

 

Mostly Harmless: Nach einem Festival liest man immer viel in Facebook und Co., wie Kritikpunkte oder auch Komplimente. Nehmt ihr diese Punkte mit ins nächste Jahr als Verbesserungsvorschläge?

Daniel: Ja, wir lesen das. Wir nehmen diese teilweise auch sehr ernst, aber du musst auch abstumpfen. Viele Besucher wissen die Hintergründe nicht, warum was ist wie es ist. Wir sind während des Festivals immer telefonisch erreichbar, beantworten Email, reagiere auf Facebook und kümmern uns. Wir versuchen während der Veranstaltung auf die Belange der Besucher einzugehen. Heute war zum Beispiel das Thema: Das Leute geschrieben haben, warum sie ihre Becher aus dem Marktplatzbereich nicht mit ins Infield nehmen dürfen? Dies haben wir heute Morgen gleich geändert. Es war nur ein Missverständnis. Wir nehmen die Punkte auf jeden Fall an.

 

Mostly Harmless: Wenn sich die Besucher für das nächste Baltic Open Air Bands wünschen, nehmt ihr die Wünsche an?

Daniel: Ja, nur meistens ist es so, dass sich Leute Bands wünschen, die wir entweder schon gebucht haben - dass ist dann sehr nett für uns – oder Bands wie ACDC. Das ist dann unrealistisch. Bei Bands die wir nicht kennen, machen wir uns schlau und schauen, ob diese zu uns passen. Es gibt aber auch Leute die wünschen sich Helene Fischer, das passt dann nicht.

 

Mostly Harmless: Für das hochrangige Line Up sind die Tickets nicht teuer, wie könnt ihr diesen Preis halten?

Daniel: Im Endeffekt ist es so, das wir wollen, dass es ein günstiger Preis bleibt. Wir sprechen mit den Bands und verhandeln. Aber wir sind immer noch ein regionales Festival, welches auch Familien anzieht. Mit unserer Village People Aktion ziehen wir die Gemeinde näher an uns ran. Auch sind wir der Meinung, dass wenn man es mit dem Preis übertreibt, der Schuss nach Hinten losgehen kann. Es bringt nichts, wenn sich die Leute das Festival nicht mehr leisten können. Weil dann ein Wochenende Festival so viel kostet, wie ein Mallorcaurlaub.

Wir passen unsere Preise natürlich auch an, wenn es sein muss. Aber mit den aktuellen Preisen kommen wir aktuell klar. Man darf dann natürlich nicht erwarten, dass ACDC auf der Bühne steht. Die Stimmung und die Musikvielfalt müssen einfach stimmen.

 

Mostly Harmless: Warum sollte jemand der z.Bsp. wie wir aus Frankfurt oder auch aus Bayern kommt, genau auf dieses Festival kommen?

Daniel: Weil es nicht so riesig ist. Alles ist sehr liebevoll gemacht, wir geben uns sehr viel Mühe. Wir arbeiten mit unseren Familien und unserem Team daran. Bei uns ist keine Massenabfertigung, es sind keine 100.000 Menschen. Ein Besuch auf dem Baltic Open Air, kann mit einem Urlaub verbunden werden. Des Weiteren ist uns das Thema Wikinger sehr wichtig, und wir nehmen das sehr ernst.

 

Mostly Harmless: Danke schön! Willst du noch was loswerden zum Schluss?

Daniel: Ohne die ganzen Besucher, die Unterstützung durch unsere Freunde, Familien und Gewerke wären wir nie so weit gekommen. Wir wünschen uns, dass die Besucher mal sehen was ein Festival für Arbeit ist. Das wir nicht nur 3 Tage Festival machen und dann Urlaub! Wir versuchen es allen recht machen, aber auch das die Region auch etwas davon hat. Danke