Mostly Harmless: Hallo Birgit, 2018 heißt es 20 Jahre Schandmaul. Worauf schaust du zurück?

 Birgit: Puh, das kann ich gar nicht so schnell beantworten. 20 Jahre sind einfach mein halbes Leben. Ich schaue zurück auf einen unglaublichen Erlebnisschatz. Wir fahren seit 20 Jahren durch die Gegend, da kannst du dir bestimmt denken, was da alles passiert. Von lustigen bis skurrile Konzerte, Unfälle auf der Autobahn, Verspätungen, Stau, lustige Szenen, feiern im Bus, einfach alles.

 

Mostly Harmless: Was ist für dich ein skurriles Konzert?

Birgit: Da gab es einige. Zum Beispiel unser erstes Konzert damals im Osten. Es gab auf dem Land ganz versteckt einige Clubs, denen zur DDR Kultur auch die verbotenen Bands gespielt haben. Dort haben wir gespielt, für vielleicht 20 zahlende Gäste. Die standen einfach da, nach jedem Lied haben sie kurz geklatscht und dann ging es weiter. Dann war das Konzert zu Ende und alle sind gleichzeitig zum CD-Stand und haben sich eine CD gekauft. Sie haben uns dann gesagt, dass das Konzert super gewesen sei und wir: "aha". Es ist bei uns nicht so angekommen.

Ein weiteres war in Pullach auf der Burg, da lief irgendwas schief. Dort waren es drei Zahlende.

 

Mostly Harmless: Drei?

Birgit: Ja, drei Zahlende. Dann das erste Metalfestival in der Schweiz in Prattel im Z7. Da war Slayer Headliner. Das war auch skurril, weil wir damals noch keine Festivalerfahrung hatten. Mir fällt da schon einiges ein.

 

Mostly Harmless: Wenn wir gerade bei der Vergangenheit sind, gibt es Dinge, die du heute anders machen würdest? Songs, Alben, Entscheidungen im Bandkontext?

Birgit: Natürlich würden wir 1000 Sachen anders machen. Wir haben, wie alle, Fehler gemacht und unser Lehrgeld gezahlt. Es ist die Frage, wie man es resümiert. Aus jedem Fehler lernt man, hätte man den einen Fehler nicht gemacht, wäre es ein anderer gewesen. Natürlich hatten wir auch Griffe ins Klo mit Managern, die einfach Dampfplauderer waren oder mit Bookingagenturen.

 

Mostly Harmless: Gibt es einen Fehler, den ihr sehr bereut?

Birgit: Nein, ich denke alles in allem ist es ok, wie es gelaufen ist. Es ist nichts, was wir mit Bitterkeit bereuen. Es ist eher, dass du zurückdenkst und denkst: "ja, heute weiß ich es besser".

 

Mostly Harmless: Denk mal an deinen ersten Auftritt auf einer Bühne zurück. Welche Erinnerungen hast du daran?

Birgit: Puh, da ist die Frage wie man Bühne definiert. Ich mache bereits seit meiner Schulzeit Musik. Da hatte ich natürlich auch Auftritte an der Schule, an der Musikschule und auch mit Big Bands.

 

Mostly Harmless: Welches Gefühl war es, als du das erste Mal auf der Bühne standst?

Birgit: Kann ich mich nicht mehr erinnern, was das für ein Konzert war. Warte, das war das Vorspielen an der Musikschule am Klavier. Ganz schrecklich, es war solo. Folter war es.

 

Mostly Harmless: Zu welchem Song hast du die Tage noch im Auto mitgesungen?

Birgit: Wow, mmmmmm. Lass mich überlegen…, vielleicht was könnte das gewesen sein? Ich muss gestehen, ich höre kaum noch Musik. Ich habe zwei kleine Kinder und Dauerbeschallung zu Hause. Fällt mir jetzt wirklich nicht ein. Doch im Backstage da hatten wir eine „I want to break free“ Queenparty. Der Tonmann ist mit dem Staubsauger durch den Backstage. Könnt ihr im Internet auch sehen.

 

Mostly Harmless: Probt ihr noch viel vor Konzerten?

Birgit: Das kommt sehr drauf an. Wenn wir ein neues Programm starten. Wenn wir eine Platte gemacht haben und die Songs noch nie live gespielt haben, dann proben wir ziemlich intensiv sogar, weil sich erfahrungsgemäß auch noch einiges verändert in der Art und Weise, wie man Songs spielt. Du musst ja auch schauen wie du Sachen vom Studio, wo es vielleicht zwei bis drei Gitarren gibt, auf der Bühne umsetzt. Wenn es eher ein Programm ist, was schon länger läuft, dann proben wir weniger intensiv.

 

Mostly Harmless: Es gibt eine Menge Interviews zu eurem letzten Album. Was wurdet ihr dazu nicht gefragt und würdet ihr aber gerne erzählen?

Birgit: Es ist unser unbeliebtestes Kind.

 

Mostly Harmless: Weil?

Birgit: Weil wir mit etwas Abstand sagen, da sehen wir uns nicht so drin. Der ganze Songwritingprozess, die ganze Zeit – es stand unter keinem so guten Stern.

 

Mostly Harmless: Welcher ist dein eigener Lieblingssong von euch?

Birgit: Kann ich nicht sagen.

 

Mostly Harmless: Wechselt das bei dir?

Birgit: Nein, es kommt eher darauf an, ob zum Hören oder zum Spielen.

 

Mostly Harmless: Zum Spielen.

Birgit: Zum Spielen sind es eher die Sachen, die Spaß machen zu spielen. Bei denen etwas passiert, an meinem Instrument. Songs bei denen ich etwas gefordert werde. Aber man kann hier nicht schnelle Nummern mit langsamen Nummern vergleichen. Ich spiele den „Drachentöter“ sehr gerne. Es ist eine schöne Melodie, auf verschiedenen Instrumenten. Ich mag auch „Euch zum Geleit“ und ich spiel immer noch sehr gerne „Dein Anblick“.

 

Mostly Harmless: Euer Jubiläumskonzert findet in Köln statt. Ihr selbst seid aus München. Wieso habt ihr euch für Köln entschieden?

Birgit: Wir haben das 10-Jährige in München gefeiert, da dachten wir es muss nicht noch mal München sein. Köln ist viel zentraler in der Republik. Dann ist Köln neben München unsere zweite große Hochburg. Das Management sowie die Bookingagentur sitzen dort in der Nähe.

 

Mostly Harmless: Der ein oder andere Fan hinterlässt in Facebook & Co. auch ein Kommentar nach einem Konzert. Schaut ihr euch Diese an und nehmt sie euch zu Herzen?

Birgit: Ja, wir lesen es immer, sei es Livekritiken oder auch CD-Kritiken. Bei CD-Kritiken ist es so, dass die ausführlicher sind. Da sind auch negative dabei. Einige von uns tun sich damit schwer. Ich kann mich da besser abgrenzen. Bei den Live-Kritiken ist es so, dass sie zum Glück in letzter Zeit zu 99 % positiv sind, sodass es wenig Beschwerden gibt, auch nicht zu Sound oder Licht.

 

Mostly Harmless: Kommentiert ihr die Posts dann auch oder nehmt ihr sie einfach zur Kenntnis?

Birgit: Mmmm, das kommt drauf an. Wenn Leute konkrete Kritikpunkte äußern, je nach Kanal, ein Kommentar wie zum Beispiel „Super Konzert“ kommentieren wir nicht. Wenn Leute über Email schreiben, mit konkreten Punkten antworten wir schon. Wir antworten generell auf jede Email selbst -  wir haben keinen Ghostwriter. Die Fans spiegeln unsere Konzerte, deshalb ist uns das sehr wichtig.

 

Mostly Harmless: Vielen Dank für das Interview. Zum Schluss darfst du uns dann noch ein Ständchen singen.

Birgit: Sehr gerne.

Download video: MP4 format