Mostly Harmless: Am 16. Februar kam euer neues Album „Deines Glückes Schmied“ auf den Markt. Glaubt ihr, dass jeder für sein Glück selbst verantwortlich ist?

Ulze: Ja.

Bocki: Klar! Jeder ist seines Glückes Schmied, man muss das Glück herausfordern. Es fliegt einem nicht einfach zu. Man muss hart arbeiten, und das tun wir jeden Tag. Egal ob das auf der Bühne, hinter der Bühne, neben der Bühne, oder zu Hause ist.  

 

Mostly Harmless:  Was bedeutet für euch Glück?

Maxi: Das muss jeder für sich selbst interpretieren. Für mich: Mit den Jungs abzuhängen.

Ulze: Es ist das Erfolgsgefühl, welches wir uns erarbeitet haben. Auf der Bühne zu stehen und das Alles zu spüren. Die Reaktion der Leute zu sehen, das ist ein Glücksgefühl.

TT: Ich denke, es ist für jeden etwas anderes, zum Beispiel Familie und so.  Die Band ist wie eine Familie. Das ist Glück.

Bocki: Gesundheit ist wichtig. Glück ist, diesen Erfolg feiern zu dürfen. Auf der Bühne zu stehen, vor 10.000 Leuten.

 

Mostly Harmless: Was ist der größte Unterschied zwischen eurer neuen Platte und der Letzten?

Bocki: Es ist eine Weiterentwicklung. Wir sind härter geworden, mehr Metalriffs. Aber eigentlich ist nichts anders. Wir haben uns mehr Zeit gelassen und haben viel Privates verarbeitet. Die Platte ist ein Stück ehrlicher.

 

Mostly Harmless: Wisst ihr noch, was das für ein Gefühl war, eure erste eigene Platte in den Händen zu halten? Was ging in euch vor?

Alle: Großartig, gigantisch.

Bocki: Wie Weihnachten und Geburtstag zusammen. Das ist aber bis heute noch so, auch bei der jetzt vierten Platte. Es ist so aufregend, wenn die Lieferung kommt. Man hat die Songs natürlich schon 3.000-mal gehört, aber wenn man die CD in den Händen hält, ist es ein geiles Gefühl.

Ulze: Es ist ein Prozess. Diesmal waren es zwei Jahre, vom ersten Song bis zur Platte.

Bocki: Da geht einem alles durch den Kopf, was an Herzblut, Zeit und Arbeit in die Platte geflossen ist.

Maxi: Es ist auch ein Lebenskapitel, das jeder geschrieben hat, sowohl musikalisch, wie auch textlich.

 

Mostly Harmless: Seit dem 29. März seid ihr mit Frei.Wild auf Tour. Wie bereitet ihr euch auf Touren vor?

Maxi: Nach dem Motto: "Wer probt, kann nix!"

Bocki: Wir proben wirklich selten.

Maxi: Wir nehmen uns wirklich oft vor, in den Proberaum zu fahren um zu Proben.

Bocki: Manchmal sind wir auch im Proberaum.

Maxi: Dann steht meistens eine Kiste Bier da, und dann gehen wir nach ein paar Stunden wieder raus und haben noch nicht mal ausgepackt.

Bocki: Eigentlich ist es echt peinlich. Wir proben wirklich zu wenig. Aber dafür läuft es ganz gut.

 

Mostly Harmless: Wie oft probt ihr?

Ulze: Vor einer Tour vielleicht ein- bis zwei-mal die neuen Songs. Ansonsten gibt es zum Glück noch den Soundcheck vor dem Auftritt.

Bocki: Wenn du jede Woche Konzerte spielst, wann willst du da noch proben?

Maxi: Du kommst auch nicht mehr raus, du bist immer drin.

Ulze: Wir spielen dieses Jahr 60 Konzerte und davor hatten wir unsere Tour mit einem zweistündigen Set.

 

Mostly Harmless: Bei 60 Konzerten im Jahr stelle ich mir die Frage, habt ihr alle noch ein „Dayjob“?

Alle: Ja.

 

Mostly Harmless: Was arbeitet ihr?

Maxi: Ich bin in der Gastro.

TT: Vermietung von Werkzeugen.

Bocki: Betriebselektroniker.

Ulze: Technischer Außendienst.

Bocki: Unsere Arbeitgeber sind wirklich kulant. Die Arbeitgeber müssen es erstmal möglich machen, dass wir eine solche Masse an Konzerten spielen können. Es ist stressig für uns, weil jede Minute Freizeit dafür verwendet wird, on tour zu sein, oder in die Band gesteckt wird.

Es ist ein Zusammenspiel und wenn ein Baustein bröckelt, gibt es schon Probleme.

 

Mostly Harmless: Was gibt es in eurem Leben – nicht nur in Bezug auf die Musik – von dem ihr sagt, hätte ich da mal die Finger von gelassen und warum?

Bocki:

TT: Es sind alles Erfahrungen, die man machen muss, auch wenn sie negativ sind.

Bocki: Ich glaube, die größten Fehler muss man gemacht haben, um daraus zu lernen.

Maxi: Du kannst nichts bereuen, wenn du zudem stehst, was du machst.

Ulze: Bandmäßig war jetzt auch nichts. Da haben wir immer ein gutes Händchen bis jetzt gehabt.

Maxi: Weil wir uns aber auch immer einig waren und selbst, wenn wir gemerkt haben, dass es ein Fehler wird, dann hatten wir das zu viert entschieden und dann ist es so.

 

Mostly Harmless: Warum habt ihr irgendwann beschlossen, keine Songs mehr zu covern, sondern eure eigene Mukke zu machen?

Bocki: Wo kommt diese Info her?

Mostly Harmless: Wikipedia.

Bocki: Wir waren keine Coverband. Wir haben, obwohl wir bereits eigene Songs geschrieben hatten, immer mal zwei, drei Lieder von „Verlorene Jungs“, „Betontod“ oder so gespielt.

Ulze: Aber nur, damit die Leute mitmachen konnten, die kannten unsere Songs noch nicht.

TT: Es ist doch auch ganz normal, dass man, wenn man anfängt mit Musikmachen, erstmal ein paar Songs covert.

Bocki: Wir hatten sogar einen von The Ramones.

TT: Die Quelle stimmt nicht.

Mostly Harmless: Wir stellen das jetzt hiermit klar!

 

Mostly Harmless: Auf welchen Festival kann man euch dieses Jahr sehen?

Ulze:  Rockharz, Alpen Flair, Rock dein Leben, Rock am Stück, Spreewaldrock. Unser eigenes Festival.

Bocki: Am 18. August haben wir unser eigenes Festival bei uns. Wer noch nicht da war, kann gerne mal rumkommen. Das ist für uns wie Urlaub. Es ist ein gefluteter Tagebau, ein riesengroßer See mit einer Halbinsel. Dort werden Festivals veranstaltet. Das Festival machen wir zum dritten Mal.

(Anmerkung der Redaktion: Alle Infos unter https://www.goitzsche-festival.info/ )

 

Mostly Harmless: Wer spielt dort?

Bocki: ProPain, 9MM, Grober Knüppel, Artefuckt, Zaunpfahl, Thee Flanders. Es ist ein Tagesfestival und wir wollen es vielleicht mal auf zwei, drei Tage ausweiten. Kommt einfach vorbei.

 

Mostly Harmless: Damit sind wir auch schon am Ende und wer uns kennt, weiß was jetzt kommt.

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