Hallo Jonas, als erstes Mal danke schön, dass du dir die Zeit nehmt um unsere Fragen zu beantworten.  Bei euch geht es dieses Jahr so richtig ab. Da stellt sich doch gleich mal die Frage wer ist Stunde Null?

  

Mostly Harmless: Also für alle die euch noch nicht kennen (Leute ihr habt echt was verpasst) wer ist Stunde Null?

Fotocredits: Stefanie Aichner  Jonas: Wir sind eine Band aus Südtirol und machen eine Mischung aus Metal und Rock mit deutschen Texten. Uns gibt es seit 2015 und im Frühjahr erschien unser erstes Album „Vom Schatten ins Licht“. Hört es euch am besten selbst an.

 

Mostly Harmless:  Es gibt euch bereits seit 2013. Allerdings habt ihr früher unter anderem Namen und mit englischen Texten gespielt. Was hat euch dazu veranlasst, neuer Name zu ändern und mit deutschen Texten durchzustarten? Es scheint auf jeden Fall die richtige Entscheidung gewesen zu sein.

Jonas: Einige von uns machen bereits seit 2005 zusammen Musik und waren unter anderem Namen mit englischen Texten unterwegs. Nach einigen Besetzungswechseln war aus dem Projekt die Luft raus. Wir verfolgten nicht mehr dieselben Ziele und standen nicht mehr auf dieselbe Musik. Der harte Kern entschied sich dazu neu zu starten, unter neuem Namen, mit neuen Songs, voll motiviert und eben mit deutschen Texten. Die Entscheidung die Songs auf Deutsch zu schreiben kam während dem Songwriting. Texte in seiner Muttersprache zu schreiben hat viele Vorteile. Man drückt sich direkt aus, ohne Übersetzung. Wir konnten unsere Gedanken einfach besser formulieren und verstanden endlich selber was wir da von uns gaben. (Lacht)

 

Mostly Harmless: Dieses Jahr wart ihr mit Frei.Wild als Support auf Tour, habt u.a. auf Rock am Ring gespielt, dann steht noch die Tour mit Goitzsche Front und zum Ende des Jahres die Rookies & Kings Tour, wie hat sich euer Leben verändert? Oder würdet ihr sagen, alles ist wie früher nur mit viel weniger Freizeit?

Jonas: Für uns ist dieses Jahr ganz klar ein Besonderes. Wir konnten endlich unser Album releasen, welches ohne jegliche Erwartung auch noch in die deutschen Charts einstieg. Die Konzerte mit Frei.Wild mit bis zu 15.000 Zuschauern raubten uns alle den Atem und die Bilder begleiten uns immer noch durch schlaflose Nächte. In zwei Wochen geht es mit Goitzsche Front wieder auf Tour und wir sind uns sicher, dass wir eine super Zeit haben werden. Ich würde sagen, dieses Jahr ermöglicht uns endlich, genau das zu machen von dem wir schon unser ganzes Leben träumten. Wir spielen dieses Jahr so viel Konzerte wie noch nie, fahren durch den ganzen deutschen Sprachraum und lernen unglaublich viele neue Leute kennen. Wir selber sind immer noch dieselben, treffen uns auch in unserer Freizeit gerne und unternehmen verrückte Sachen.

 

Mostly Harmless: Man kennt die Berichte und Co. über Frei.Wild verbreitet werden, hattet ihr keine Bedenken, dass man euch das nach der Tour mit ihnen, auch vorwerfen könnte?

Jonas: Wir kennen die Jungs von Frei.Wild mittlerweile schon ewig und zählen sie mittlerweile zu unseren engsten Freunden. Wir geben also nicht viel auf die Meinungen der Leute, die uns dafür verurteilen. Wir haben uns selbst ein Bild gemacht und stehen voll und ganz hinter unserer Entscheidung. Natürlich werden wir immer wieder damit konfrontiert, auch von Musikerkollegen. Traurig wird’s dann, wenn frühere Kollegen hinter unserem Rücken alles Mögliche über uns erzählen, aber Neid ist ein wildes Tier und so lernt man die Leute wirklich kennen.

 

Mostly Harmless: Auf dem Rock dein Leben Festival habt ihr eine kleines unplugged Konzert gegeben, wie wichtig ist euch direkte Kontakt zu euren Fans und macht ihr so Aktionen öfters?

Jonas: Der direkte Kontakt zu den Leuten ist uns sehr wichtig. Wir dürfen immer wieder neue Freunde kennen lernen, die uns inspirieren und wieder einen Schritt weiterbringen. Einige erzählen uns von schwierigen Lebenssituationen und wie ihnen unsere Musik weitergeholfen hat. Ich würde sagen es gibt für einen Musiker nichts schöneres, wie wenn man mit seinen eigenen Geschichten andere helfen kann, oder zum Nachdenken anregen kann.

 

Mostly Harmless: Euren Fanclub gibt es erst seit 2018. Was ist da los? Warum hat das solange gedauert?

Jonas: Das können wir nicht beantworten. Aber dafür läuft es jetzt richtig gut. Die Leute im Fanclub sind echt der Wahnsinn und geben alles. Wir freuen uns schon auf das erste offizielle Treffen.

 

Mostly Harmless: Was macht ihr, wenn ihr nicht auf der Bühne steht? Habt ihr alle noch normale Jobs? Wie sieht so ein typischer Stunde Null Tag aus??

Jonas: Wir stehen immer um halb 7 auf, da um 7 die Geschäfte schließen. (Lacht) Nein Scherz, wir haben alle noch andere Jobs, ob die jetzt normal sind weiß ich nicht. (Lacht) Stefan und ich arbeiten mittlerweile halt nur noch im Musikbusiness, auch für andere Künstler. Also ein normaler Stunde Null Tag sieht so aus. Jeder geht in die Arbeit und inzwischen hören wir uns immer wieder um neue Ideen zu besprechen - oder weil einer ein bescheuertes Video gefunden hat. (Lacht) Nach der Arbeit treffen wir uns fast jeden Tag, zwar nicht immer alle, aber in Gruppen und trinken ein Bier, schreiben Songs, proben, gehen zum Sport oder unterhalten uns einfach über alles Mögliche…

 

Mostly Harmless: Bei der Vorbereitung auf das Interview mit euch – ja wir machen das echt – habe ich durchweg nur positive Reviews zu eurem Album „Vom Schatten ins Licht“ gelesen. Ihr habt an dem Album gute 3 Jahre gearbeitet. Denkt ihr, dass das Album unter anderem so gut ist, weil es kein Schnellschuss war? Was würdet ihr im Nachhinein anders machen an dem Album? Oder ist alles perfekt wie es ist?

Jonas: Ich glaube das liegt daran, dass wir unser ganzes Herzblut in das Album gesteckt haben und natürlich auch an der guten Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Warthy, der uns wahnsinnig unterstützt hat. Wenn ich was anders machen könnte, dann nicht mehr so lange zu warten.

 

Mostly Harmless: Euer neues Video „Nutten und Koks“ habt ihr vor knapp 3 Wochen veröffentlicht, was ist alles auf dem Videodreh passiert? Oder hat etwa alles geklappt wie geplant?

Jonas: Der Videodreh war bis jetzt der einfachste und schnellste den wir hatten. Wir haben am selben Tag das Ende zu „Keiner stirbt heilig“ gedreht und sind dann direkt von der Kirche in das Striplokal. Sollte man vielleicht nicht machen. (Lacht) Unser Videomann Daniel war sofort voll im neuen Video und hat zusammen mit seiner Freundin das Ding perfekt koordiniert. Wir hatten eine Stripperin aus München gebucht, die irgendwie den Brennerpass nicht fand und dadurch zwei Stunden zu spät kam. Also mussten wir in kürzester Zeit alles filmen und jeder wollte mehrere Male. (Lacht) Am Ende hat wirklich alles reibungslos funktioniert und die Besitzerin hat uns am Abend noch auf ein Bier eingeladen.

 

Mostly Harmless: Denkt ihr euch die Umsetzung der Videos selbst aus? Oder arbeitet ihr danach Anweisung?

Jonas: Wir haben unsere eigenen Ideen und stellen die dann Daniel und dem Management vor. Daniel schreibt dann ein erstes Drehbuch und wir arbeiten es gemeinsam aus. Wir sind eigentlich bei allem stark involviert.

 

Mostly Harmless: Was macht euch bei einer Produktion egal ob neue Scheibe oder Video am meisten Spaß und worauf könntet ihr verzichten?

Jonas: Wir lieben es neue Songs zu schreiben, Ideen für Videos zu sammeln sowie die Zeit im Studio und am Set. Die schlimme Zeit kommt nachher, wenn man es nicht mehr selbst in der Hand hat und nur noch warten kann. Die Geduld ist das Schwierigste in diesem Business.

 

Mostly Harmless: Was denkt oder hofft ihr, wo ihr in 10 Jahren seid?

Jonas: Wir hoffen immer noch auf der Bühne und zwischen all unseren Freunden zu stehen. Wir machen einfach das, was wir am liebsten machen. Natürlich hoffen wir, dass wir das Projekt immer weiter nach vorne tragen können und uns irgendwann nur noch darauf konzentrieren können. Aber all das kann man nicht steuern. Wir werden ganz sicher mit allem was wir haben weiterkämpfen und auf unsere Art noch lange weiter machen.

 

Mostly Harmless: Und als letztes dürft ihr noch mal was raushauen, was ihr schon immer mal der Welt und euren Fans sagen wolltet. Wir sagen bis zum nächsten Mal 😊

Jonas: Wir bedanken uns bei all unseren Freunden, die uns bis jetzt so tatkräftig unterstützt haben und freuen uns darauf euch alle im Herbst wieder zu sehen.