Konzertbericht Frei.Wild Konzert Mannheim I (27.12.18)

Diese Zeilen wiegen für uns schwer wie Blei und wir haben lange überlegt, ob wir sie schreiben. Aber wer uns kennt, weiss wir nehmen kein Blatt vor den Mund. Uns ist durchaus bewusst, dass nicht jeder diese Zeilen gerne lesen wird!!

 

Wir überlegen uns schon seit längerem, auf welchen Konzerten viele der Frei.Wild Fans waren/sind, wenn wir zum Beispiel lesen: "Mannheim 1 war eine geile Party von Anfang bis Ende", fragen wir uns: "Waren wir auf einer anderen Veranstaltung?"
Frei.Wild und vorallem Philipp war für mich immer ein ungeschliffener Diamant, im Deutschrockbusiness - ungeschliffen aber mit viel Herz, Leidenschaft und "Rotz" in der Stimme.


Heute sind sie alle 4 sehr sehr geschliffen. Zu viel wurde die Band bearbeitet, an zu vielen Schrauben gedreht - für was es gut ist, weiss niemand! Heute klingt sie wie eine von Vielen, das Alleinstellungsmerkmal haben sie leider verloren.

Mannheim war in den vergangenen Jahren immer ein Hexenkessel. Hier lief die Brühe von der Decke, fast durchgehend ein Händemeer und egal wo man hinschaute Circle Pit - ohne dass der Frontmann immer wieder dazu aufrufen musste.
Leute...wir haben davon nix gesehen.


Leider sehen wir keine Band mehr, die mit dem gleichen Herzblut spielt wie früher. Zum Beispiel der Song "Südtirol" war immer ein Garant dafür dass die Halle kocht. Wir sind uns einig, am Donnerstag die schlechteste und lahmste Version des Liedes gehört zu haben. Stimmung?? Fehlanzeige!! Wir fragen uns: Achtet die Band noch auf das was im Publikum passiert? Oder wird hier einfach die Setliste nach Schema F abgespielt? Ist da überhaupt noch Leidenschaft oder ist es halt einfach ein Job?

Laut der vielen Kommentare in verschiedenen Socialmedien war es ein geiles Konzert.
Wie ist heutzutage die Definition von einem geilen Konzert ? Was ist euch wichtig?

Wie haben wir das Konzert erlebt? Können wir euch sagen: Nicht nur Mannheim, sondern auch die letzten 5-6 Konzerte haben wir als sehr langweilig und ohne Stimmung erlebt. Eine Band, welche ihre Songs abträllert ohne Emotionen und Leidenschaft. In Mannheim ein Akkustiksong (welcher es war, weiss man nicht, denn wir haben kein Wort verstanden) als Opener ? Ernsthaft ? Die beiden Vorbands hatten dem Publikum ordentlich eingeheizt. Es war Stimmung in der Halle. Wieso eröffnet man ein "Deutschrockkonzert" mit einem Akkustiksong? Nicht nur wir fanden das war falsch geplant.

Aber wir haben dieses Jahr auch eine Ausnahme erlebt, und diese war FREIBURG. Eine Band, die die Fans abgeholt, die Halle abgerissen und gespielt hat, als ständen sie das erste Mal auf der Bühne. Das Konzert war seit Jahren das beste Konzert was wir von dem 4 erlebt haben. Es erinnerte an alte Zeiten, in kleineren Hallen. Es wird uns lange im Erinnerung bleiben.
Vielleicht sind Hallen wie: Festhalle, Maimarkthalle und Co, oder sogar 2019 die Commerzbankarena einfach zu gross, um das Frei.Wild Feeling von der Bühne ins Publikum zu bringen? Es gibt immer wieder Bands, die können keine grossen Hallen spielen. Füllen ja, aber nicht spielen!

Aber kommen wir mal zu einem anderen wichtigen Aspekt der Konzerte, nämlich zu den Fans. Vielleicht ist es gar nicht nur der Band geschuldet, sondern vielleicht auch den emotionslosen Teenies die dort mittlerweile abhängen. Wir sehen nur noch Kids (viel zu oft ohne Gehörschutz), Teenies, Handys (warum filmen und nicht direkt mitfeiern?), erstarrte Menschen und schunkelnde Pärchen. VERDAMMT! WAS IST HIER PASSIERT? WO SIND DIE DEUTSCHROCKFANS?

Hat das was mit den Songs zu tun? Gehen diese einfach immer mehr in die Richtung Kommerz? Wir glauben, es ist der Zahn der Zeit, welcher nagt - der Lauf der Dinge.
Aber nichts desto trotz, ist es nicht mehr das was es war - weder der Spirit der Band, noch der Fans.
Vielleicht ist es auch einfach so, dass man aus den Schuhen raus wächst, als Fan und als Band! Vielleicht rückt das: Wo kommen wir her, wen wollten wir mal mit unseren Songs berühren, immer mehr in den Hintergrund.