Ein leeres Blatt Papier vor mir...aber es muss ja gefüllt werden.
Wie fasse ich nur den gestrigen Abend in Worte? Ein Konzertbericht aus meiner Feder wurde in der Vergangenheit kritischer beäugt wie mir bewusst war. Dies hemmt mich jetzt etwas, aber wer mich kennt weiß - ich lasse meinen Gedanken freien Lauf.
Der gestrige Abend begann etwas seltsam. Langezeit habe ich Frei.Wild nicht mehr in einem Club spielen gehört / gesehen. Als die Clubtour veröffentlich wurde, fand ich es allerdings bereits eine MEGA Idee – back to the roots. Auf der anderen Seite habe ich gedacht...bissi klein für die aktuell erfolgreichste Deutschrockband, oder?
Kaum an der Location angekommen und aus unserem Auto gestiegen, dachte ich nur...verdammt...das wird eine heiße Veranstaltung. *Ladies, wegen der Location, nicht wegen den Jungs*
Trotz Regen stand eine bereits verdammt lange Schlange am Einlass und wartet darauf, dass sich die Tür öffnet. Je näher wir kamen, desto mehr stellt sich heraus, dass es sich heute Abend wie ein "Familientreffen" anfühlen sollte. Alte Bekannte, Gesichter, die man lange nicht gesehen hatte, Menschen die bereits Frei.Wild abgeschworen hatten, alle standen wieder in der Einlassschlange und freuten sich auf ein Konzert wie in alten Zeiten. Ein reger Austausch und alte Anekdoten waren überall zuhören: „Wer das heißeste Konzert mitgemacht hat usw.“ (Ich bin mir sicher das heißeste Konzert war "Rock im Fichtenwald 2011" - da ist die Brühe von der Zeltdecke getropft).
Wir betraten die Location und standen kurz wie angewurzelt dort. Warum? Schönes, kleines, muscheliges Ding, sonst ist doch schon der Fotograben bei Frei.Wild fast so groß egal...das ist der gute alte Rock´n´Roll. Das wollten wir, das haben wir uns gewünscht, also ran, schnell noch ein Getränk und dann ab zum Fotograben.
Um 20 Uhr eröffnete Alles mit Stil das Clubkonzert. Ihr Genre ist HIP HOP /Metal / Rock und die Jungs rockt mit Ihren neuen Songs Ihre CD " Gegen jede Vernunft" die Meute schon mal warm, also nicht das es vorher kalt in dem Schuppen war.
Kürzeste Umbaupause für Frei.Wild ever!!! Licht aus, Intro an, bereits hier war abzusehen was gleich passiert – der Laden kochte. An einen Platzwechsel oder an ein Durchkommen war bereits hier nicht mehr zu denken.
Die Band betrat die Bühne.
Die ersten drei Lieder musste ich im Fotograben verbringen und da muss man sich benehmen (kein tanzen, singen oder pogen:-)) Also hieß es nach den drei Lieder: schnell raus aus dem Graben, ab zum Auto alles verstauen und wieder durchkämpfen in die zweite oder dritte Reihe – was sich als kleine Herausforderung darstellte.
Meiner Meinung gehören Frei.Wild (Philipp Burger, Jochen Zegga Gargitter, Jonas Notdurfter und Christian Föhre Forer ) genau, aber wirklich genau in solche Locations. Alte sowie neue Songs wurden lauthals mit gegrölt, spontan wurde die Setlist geändert. Man merkte einfach immer wieder, dass hier die Fanfamilie am Start war!! Party, singen, tanzen, pogen und trotz allem Rücksichtnahme, eine Band die Spaß hatte und der genau wie allen im Publikum die Brühe lief! Schöne Interaktionen zwischen Band und Fans. Riesige Fahnen wurden geschwungen. Eine kurze Unterbrechung gab es, als der Moshpit auf Philipp Burger Frontmann von Frei.Wild komisch wirkte, aber es wurde nur eine Brille gesucht gefunden und weiter ging der POGO!
Die Frage ist doch eigentlich, was für jeden ein Konzertbesuch ausmacht?
Ich zum Beispiel liebe es im Geschehen zu sein, den Alltag zu vergessen, meine Zeit zu feiern, die Zeit in der mir scheiss egal ist was andere denken oder wie ich aussehe!!! Lass mich feiern und träumen mit einer Band, die einen genau dazu mitnimmt. Wann weiß man, dass das Konzert das Beste war? Richtig, wenn man danach aussieht "aber nur aussieht als ob" man den "Walk of shame" auf dem Nachhauseweg antritt.
All dies war gestern der Fall. Die Event Werkstatt Wetzlar glich einer über 100 Grad Sauna. Künstler wie Fans sahen nach dem fünften Song gleichermaßen zerstört aus, aber glücklich.
Das ist mein Frei.Wild und vor allem Philipp Burger / Philipp Burger Musiker und Autor ist wohl doch noch der ungeschliffene Diamant, im Deutschrockbusiness - ungeschliffen aber mit viel Herz, Leidenschaft und "Rotz" in der Stimme. Sie haben es noch drauf, und ich hoffe die nächsten Tage werden Sie all die kommenden Locations mit Ihren Fans auf dem *zwinker* Walk of shame* zurücklassen