Mostly Harmless:  Hallo Jens, verrat doch mal allen die nur wissen das du „nie wirklich weg warst und jetzt richtig zurückkommst“, wer du bzw. ihr eigentlich seid.

KÆSTEL: Ich bin Gründungsmitglied der Hamelner Electro/EBM Formation „funkervogt“, war dort 18 Jahre lang Frontmann und Rattenfänger zugleich, bis sich unsere Wege dann Ende 2013 trennten. Leider nicht im Guten, aber das soll Schnee von gestern sein. Zwischendurch habe ich noch ein rein deutschsprachiges Album mit meinem Projekt „The Firm Inc.“ herausgebracht.

 

Meine musikalischen Mitstreiter Paddy, René, Koppy und Stephan kommen aus Dessau und spielen schon seit einiger Zeit zusammen. Auf der Suche nach Musikern, die mich auf meinem neuen Weg begleiten, sind wir durch ne Portion Zufall und den Musiker-Buschfunk auf die Jungs aufmerksam geworden. Der Rest ist Geschichte und mittlerweile sind wir zu einer starken Einheit zusammengewachsen und ich bin stolz auf meine Jungs.

 

Mostly Harmless:  Ich zitiere ein zweites Mal: "KÆSTEL - Ohne Kompromisse und mit nur einem Ziel - 2019 wird mein Jahr". Was muss passieren, damit du sagst: Das war mein Jahr!

KÆSTEL: Auch wenn das Jahr erst wenige Wochen alt ist, so kann ich eigentlich sagen "2019 ist bereits mein / unser Jahr". Dank des guten Teams um mich herum ist so viel passiert, davon hätte ich echt nicht zu träumen gewagt. Schau mal, die Geschichte KÆSTEL begann vor gut 4 Monaten und nun habe ich ein Album in den Händen, wir spielen Shows mit Goitzsche Front in ausverkauften Häusern und wir sind bereits auf einigen Festivals bestätigt.

 

Die Resonanz und das Feedback der Leute ist unbeschreiblich und ich warte immer noch auf den Moment wo mich jemand kneift und sagt, "ey KÆSTEL aufstehen, Frühstück ist fertig".

Weißt Du, All das ist schon mehr als erwartet und ja, mit dem Blick zurück, 2019 ist schon jetzt mein Jahr.

 

Mostly Harmless: Du hast am 1. Februar erste Scheibe „Keine Kompromisse mehr“ rausgebracht. Hier hat man bekanntermaßen alle Zeit der Welt. Aus welchem Zeitraum stammen die Songs? Wie lange hast du an den Songs gearbeitet, bis du gesagt hast: Die 12 kommen auf die Scheibe und keine anderen?

KÆSTEL: Alle Zeit der Welt ist gut. „lacht“ Im Frühjahr 2018 kam der erste Kontakt zu meinem früheren und jetzt wieder Manager Steven Dornbusch, am Rande einer Freiwild Show zu Stande. Aus lockerem Geplauder wuchs dann doch recht schnell der Gedanke, eine neue Band an den Start zu bringen.

In Zusammenarbeit mit Matthias „Neo“ Barwig, der schon einige Ideen im Keller bebunkert hatte, machte ich mich also ans Werk. Neo und ich merkten schnell, dass wir uns musikalisch als auch gedanklich auf derselben Ebene bewegen und so sprudelten die Ideen förmlich im Stunden Takt.

Einen genauen Zeitraum kann man somit also nicht festlegen. Es ist einfach eine bunte Mischung aus vorhandenen und neuen Ideen.

Zur Auswahl standen dann letztendlich 17 oder 18 Demo Songs, von denen es dann besagte, 12 auf das Album geschafft haben. Uns ging es dabei aber nicht darum nur die vielleicht stärksten Songs auf die Scheibe zu bringen, sondern im Vordergrund stand ganz klar die Stimmigkeit. Das Album sollte einen roten Faden haben und all das widerspiegeln, was mich die letzten Jahre beschäftigt hat.

 

Mostly Harmless: Was erwartet die Leute bei der CD?

KÆSTEL: Diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: ehrlicher, trotziger, frecher, ungehobelter, facettenreicher Deutschrock

 

Mostly Harmless: Wie lange hat die komplette Produktion der Platte gedauert?

KÆSTEL: Das darf man eigentlich gar keinem sagen. Wir haben teilweise im Soundart-Studio von Alex Lysiakov noch Zeilen und Melodien entwickelt, während er schon produziert hat. Die Herangehensweise war für uns alle völlig gegen die Norm und chaotisch. Ich habe teilweise nur auf das eingespielte Schlagzeug gesungen, etc., pp. Vielleicht macht aber genau dieser Umstand den Charme der Scheibe aus. In Summe war „Keine Kompromisse mehr!“ in wenigen Tagen eingespielt, wobei Alex durch diese Umstände natürlich die ein oder andere Überstunde im Produktionsprozess hatte.

 

Mostly Harmless: Welche Erlebnisse oder Pannen gab es bei der Produktion, an die du dich noch in 30 Jahren erinnern wirst?

KÆSTEL: Während der Produktionsphase lief eigentlich alles wie am Schnürchen, wenn man oben genannte Umstände berücksichtigt. Eine Schrecksekunde gab es am Ende aber doch. Durch ein Missverständnis wurden die Daten der Songs in falscher Reihenfolge zum Presswerk übertragen. Das Cover Artwork war schon im Druck und jetzt sollten die Stücke in einer wirren Reihenfolge auf der CD erscheinen. Chaos pur. Ich glaube, keiner von uns hat ohne körperliche Anstrengung jemals so sehr geschwitzt. Letztendlich ist es aber nochmal gutgegangen und alles ist so wie wir uns das vorgestellt haben.

 

Mostly Harmless: Das Album ist jetzt knapp 2 Wochen auf dem Markt. Wie hast Du die Reaktionen darauf empfunden?

KÆSTEL: Ganz ehrlich, ich hätte ich mit solch einem positiven Feedback niemals gerechnet. Ich war mir zwar sicher, ein gutes Album abgeliefert zu haben aber im Endeffekt entscheiden nur die Hörer ob es ankommt oder nicht. Umso stolzer macht mich das Ganze natürlich und es ist ein riesiger Antrieb mit KAESTEL weitere Schandtaten zu produzieren und an der Aufgabe zu wachsen.

 

Mostly Harmless:  Es ist eine komplett andere musikalische Richtung, wie in deiner Vergangenheit mit Funker Vogt. Warum der Wechsel von Electroklängen zu Deutschrock? Wann war dir klar, dass ein Richtungswechsel her muss und vor allem in welche Richtung es gehen soll?

KÆSTEL: Ich habe ja nun auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel und bin seit meiner frühesten Jugend Onkelz Jünger. In die Electro Schiene bin ich damals auch nur durch einen Zufall gerutscht und durch den weltweiten Erfolg den wir mit „funkervogt“ hatten, war der Gedanke an eine eigene Band in diesem Sektor nie wirklich greifbar. Meine Roots liegen aber ganz klar im Deutschrock, Punk und Hardcore und ich bin überglücklich endlich meine Bestimmung gefunden zu haben und diese ohne Kompromisse ausleben zu können. Man muss nur die nötige Geduld und den erforderlichen Biss dafür aufbringen.

 

Mostly Harmless: Was meinst du wie deine funkervogt Fans mit deiner Veränderung umgehen?

KÆSTEL: Prozentual würde ich 60/40 pro Deutschrock sagen. Viele Fans von „funkervogt“, oder allgemein die der etwas härteren Gangart im Electro Bereich sind dem Deutschrock gegenüber seit jeher ziemlich offen eingestellt. Diese Überschneidungen haben sich über die Jahre in unzähligen Gesprächen, auf Konzerten oder in den Clubs, die ich mit den Leuten führen durfte, manifestiert. Natürlich gibt es auch frühere Fans, die meinem neuen Weg nichts abgewinnen können und das ist auch völlig ok.

 

Mostly Harmless: Du bist aktuell mit den Jungs von Goitzsche Front auf Tour. Wie triffst du die Entscheidung, welche deiner Songs du live spielst?

KÆSTEL: Das gibt es ja noch nicht so viel auszuwählen. Wir spielen als Support um die 35nMinuten und das Album hat eine Länge von 42 Minuten. Also lassen wir momentan noch „Mein Name ist Krieg“ weg, da es als Intro zum Album dient und den Song, bei dem wir noch am wenigsten Live-Sicherheit haben. Clever sind wir. ;-)

 

Mostly Harmless: Wenn wir gerade beim Thema live sind, es steht ja noch, dass ein oder andere an bei dir dieses Jahr. Auf welches Konzert freust du dich besonders und warum?

KÆSTEL: Prinzipiell freue ich mich immer am meisten auf die nächste Show. Ich bin schon so lange dabei und habe Konzerte jeder Größenordnung erlebt.  Ein Gig vor 100 Leuten kann da durchaus mehr Emotionen und Feuer hervorrufen als vor 10000. Es ist jedes Mal die Herausforderung das Publikum zu knacken, auf die ich mich freue. Eine besondere Vorfreude herrscht natürlich auf die beiden großen Festivalshows bei der G.O.N.D. und dem GOITZSCHE FESTIVAL.

Wir haben schon viel von diesen Events gehört und wissen, dass sie ein besonderes Flair haben. Dort zu spielen erzeugt schon etwas Demut und Dankbarkeit, denn wenn wir ehrlich sind, ist es doch der Traum einer jeden Band auf solch großen Festivalbühnen zu spielen. Wir freuen uns jedenfalls sehr das Flair kennen zu lernen, die Fans vor der Bühne, auf die anderen Bands, die Gespräche und dass ein oder andere Bier.

 

Mostly Harmless: Wir sind am Ende angekommen, dir vielen Dank für deine Zeit und jetzt hau raus, was du schon immer mal los werden wolltest 😊

KÆSTEL: Sehr gern geschehen. Die ominösen letzten Worte waren noch nie meine Stärke und deshalb hebe ich sie mir auf, bis irgendwer sie auf meiner letzten Reise zum Besten geben kann. ;-)