Mostly Harmless: Hallo, vielen Dank dass du dir Zeit für das Interview mit uns nimmst. Euch gibt es bereits den ein oder anderen Tag, wann hast du gewusst, dass du ernsthaft Musik machen willst?

Dominik: Auch wenn es Purple Rising erst seit 2011 in der Form gibt, entstand die Idee um eine Deep Purple Tributeband bereits in den 90ern. Jeder unserer Musiker hat natürlich seine ganz eigene Geschichte, wie er mit dem purpurnen Virus infiziert worden ist und gerade deshalb sind wir sehr froh darüber, uns in dieser Besetzung gefunden zu haben.

 

Mostly Harmless: Wenn du an deine erste Studio-Erfahrung denkst, wie war die für dich? Was war daran besonders?

Dominik:  Um ehrlich zu sein, sind unsere Studioerfahrungen recht nüchtern, denn es handelt sich in dem Falle nur ums abmischen und finalisieren der Tonspuren. Diese nehmen wir als Liveband natürlich nicht in einem Studio auf, sondern ganz authentisch bei unseren Konzerten. Nur so erlebt der Zuhörer auch zu Hause oder im Auto einen unverfälschten Eindruck unserer lebendigen Darbietungen, die wir im Geiste der frühen Deep Purple Epoche auf die Bühne bringen.

 

Mostly Harmless: Wenn ihr nicht um die Ecke von eurem Zuhause spielt, was macht ihr, um euch auf der Fahrt die Zeit zu vertreiben?

Dominik: In der Regel nutzen wir lange Fahrten, um neuwitzige Wortkreationen zu bilden und um den intelligenten Humor weiter auszubauen. Wir sind definitiv Fortgeschrittene auf diesem Gebiet. Wir versuchen natürlich all das bei uns zu behalten, da entsprechende Ansagen auf der Bühne das Publikum relativ oft überfordern ;)

 

Mostly Harmless: Wie ist der typische Ablauf, wenn ihr an der Konzertlocation angekommen seid?

Dominik:  Allemann anpacken und unser Equipment mit vereinter Muskelkraft auf die Bühne bringen – das sind nämlich jedes Mal rund 800 kg, die wir bewegen und die wir brauchen, um einen originalgetreuen Deep Purple Sound zu generieren. Auch wenn es heute schon aufblasbare Keyboards gibt ist der Klang einer echten Hammond-Orgel unerreicht.

 

Mostly Harmless: Habt ihr Rituale, die ihr macht bevor ihr auf die Bühne geht?

Dominik: Ab in die Schlaghose gehüpft, die alten Knochen zurechtgerückt und ein paar Dehnungsübungen vorgenommen, so spielt es sich einfach lockerer. Unsere Shows sind in der Regel gut 2,5 Stunden lang und wir sind, wieder an den frühen 70er Jahren orientiert, sehr rege auf der Bühne. 

 

Mostly Harmless: Was geht dir durch den Kopf in dem Moment, in dem du die Bühne betretet?

Dominik: Glücklicherweise sind wir dank unserer jahrelangen Routine aus der Nummer raus, den Kopf mit Sorgen voll zu haben. Das Intro läuft von CD beim Techniker und im besten Fall scherzen wir noch ein paar Sekunden, bevor das Licht angeht und wir im ersten Song 110% auf der Bühne geben.

 

Mostly Harmless: Welcher Song kommt beim Publikum am besten an?

Dominik: Das ist wirklich ganz unterschiedlich. Es hängt viel mit der Grunddynamik des Publikums zusammen, an welcher Stelle Applaus und Jubel am intensivsten sind. In der Regel sind es aber die Klassiker, allen voran das legendäre „Child in Time“, bei dem das Publikum sich aktiv interessiert zeigt und uns das lautstark wissen lässt.

 

Mostly Harmless: Verbringt ihr privat auch Zeit zusammen, oder seht ihr euch nur „auf der Bühne“?

Dominik: Bei bis zu 25 Konzerten im Jahr sind wir froh, wenn wir uns auch mal nicht sehen müssen. Nein, Spaß beiseite, die eine oder andere Gelegenheit wird gerne genutzt, um auch mal die private Person statt des Mitmusikers bei einem Bierchen zu treffen.

 

Mostly Harmless: Was ist deiner Meinung nach die wichtigste Musikequipment-Erfindung aller Zeiten – und warum?

Dominik: Nach langem Überlegen: Die Röhrentechnik. Sie dominiert doch in jedem unserer Verstärker den Sound, der das Klangbild von Purple Rising heutzutage immer noch unique macht.

 

Mostly Harmless: Es gibt einige Deep Purple Coverbands. Wodurch unterscheidet ihr euch von den anderen?

Dominik: Als wir Purple Rising ins Leben gerufen haben, war uns besonders wichtig, dass wir die Ära 1970-1976 wieder auf erleben lassen. Das geht zum einen nur mit Originalinstrumenten und zum anderen nur mit der Attitüde von damals auf der Bühne. Deep Purple brachten viel Virtuosität und Improvisation in ihre Musik, so setzen wir uns diese Maxime eben auch. Soweit wir recherchiert haben sind unser Bühnenbild und die Art der Darbietung zumindest deutschlandweit einzigartig.

 

Mostly Harmless: Langweilt es dich nicht als Tributeband jeden Abend die gleichen Songs und die gleiche Show abzuliefern?

Dominik: Nein, eigentlich nicht. Jedes Konzert ist anders und einzigartig, selbst wenn die Setlist auch mal die gleiche sein sollte. Durch Lust und Laune, sowie örtliche Gegebenheiten wird jede Show anders und individuell gestaltet, oft ganz spontan. Durch Improvisationen in verschiedenen Songs, so wie es Deep Purple einst zelebrierte, bleibt es immer spannend - man muss immer auf seine Mitmusiker hören, um blitzschnell reagieren zu können. Das macht für uns auch den Reiz von Deep Purple aus. Man kann sich an zig-duzend Live-Alben der großen Meister orientieren und findet immer eine andere Variante, die originalgetreu und songdienlich ist. So wird es auch für die Zuschauer nie langweilig.

 

Mostly Harmless: Wir haben noch eine Frage, die nichts mit Musik zu tun hat: Wenn ihr/ du drei Wünsche frei hätte(s)t, welche wären es?

Dominik: 1) Wir würden uns wünschen, dass auch im Jahr 2019 handgemachte und ehrliche Musik noch mehr Beachtung findet.

2) Im Zuge dessen würden wir uns freuen, wenn noch mehr Musikfreunde den Weg vom heimischen Sofa mit angeschlossenem Multimedia-Home-Entertainment zum Platz vor der Bühne finden würden.

3) Mehr Menschen den eigentlichen Sinn von Kultur erkennen und aufhören würden, sich gegenseitig zu unterdrücken. Bei Konzerten wird natürlich um die besten Plätze mit Sicht auf die Bühne gerungen, aber eigentlich ist das ganze Auditorium für wenige Stunden eine große Familie mit derselben friedlichen Intention.

 

Mostly Harmless: Du hast es geschafft.

Dominik:  Dankeschön – ihr auch! 😊