Mostly Harmless: Wir sind heute im Nachtleben mit Versus. Für alle die euch noch nicht kennen, wer seid ihr?

Nils: Gude, wir sind die Band Versus. Ich bin der Sänger und Gitarrist Nils.

Sascha:  Sascha, der Schlagzeuger.

Eddie: Eddie, Bass

Sepp: Sepp, Gitarre

 

Mostly Harmless: Ich habe bei der Recherche im Internet folgendes gelesen: "Sie definieren sich selbst als Nichten des 'Deutschrock'". Habt ihr das Geschlecht gewechselt? Was kann man sich darunter vorstellen?

Alle: Echt? Als Nichten?

Mostly Harmless: Ja, ich war auch verwirrt.

Sascha: Das hat jemand erfunden. Wir sind schon noch Männer, ein Glied haben wir noch alle, oder? Die Aussage ist nicht von uns.

Nils: Nichten des Deutschrocks haben wir nie gesagt. Wir versuchen uns generell nicht in eine Sparte der Musik einsortieren zu lassen. Wir sind weder Deutschrock, noch reiner Metal, noch reiner Punk. Wir machen einfach das worauf wir Lust haben. Wir machen deutschsprachige Rockmusik. Der Begriff Deutschrock trifft uns nicht richtig, wenn man uns mit anderen Bands vergleicht, die klassisch für die Deutschrockszene wären. Bei uns ist viel 80ties mit drin, zum Beispiel was die Stimme angeht, es ist Punk drin, es hat Metal-Einflüsse, einfach das worauf wir Bock haben.

 

Mostly Harmless: Hat der Name Deutschrock für euch einen negativen Beigeschmack?

Nils: Nö, ich versuche nur nicht in eine Sparte reingesteckt zu werden. Wenn du sagst, du bist eine Metalband denken alle an Metallica, wenn du sagst du bist eine Deutschrockband dann denken alle, du bist wie die Onkelz oder Frei.Wild. Wir machen einfach Rockmusik.

 

Mostly Harmless: Ihr seid bereits in kurzer Zeit, relativ bekannt geworden. Was macht ihr anders, als andere Bands?

Nils: Wir arbeiten daran.

Sascha: Ich bin erst seit ca. einem halben Jahr dabei, genau aus dem Grund, weil die Band in kurzer Zeit so viel geschafft hat. Ich komme eigentlich aus einer anderen Sparte, und dachte, ich schau mir das mal an. Ich habe relativ schnell gemerkt, der Zusammenhalt und die Motivation in der Band sind schon enorm. Die Band ist Nils sein Steckenpferd, er macht sich zwar sehr verrückt wegen der Band, aber sonst wäre die Band nicht da wo sie jetzt ist. Es ist schon etwas Besonderes, in anderen Bands gab es nicht so einen Zusammenhalt. Wir haben alle unseren Spaß, klar Disziplin gehört auch dazu.

Nils: Ich denke, wir machen irgendwie auch ganz geile Musik.

Eddie: Ich glaub die Musik und die Show haben einfach die Leute überzeugt. Die Leute kommen gerne wieder, oder kaufen die Platte. Das, und das wir Spaß haben, merkt man auch. Es gibt auch viele langweilige Bands, da wundert es mich nicht, dass die nicht voran kommen, denn dafür würde ich kein Geld bezahlen. Das ist irgendwie wie eine Transe, die sich mal rasieren müsste. Das ist dann alles irgendwie runtergenudelt.

Nils: Was viele unterschätzen ist, wir sind nicht mehr in den Achtzigern. Du schreibst ein paar geile Songs und dann kommt das Label, und gibt dir nen Plattenvertrag. Du musst heute geile Musik machen, ne geile Show liefern und authentisch sein in dem was du machst. Wir sind einfach wie wir sind, auch mit dem Gebabbel. Das ist einfach unser Herz und das unterscheidet uns von vielen, und das Gesamtkonzept stimmt einfach. Du musst korrekt und cool sein, ohne Starallüren.

Sascha: Und wir sehen verdammt gut aus.

Nils: Orsch sexy Buuwe – jetzt in der Jogginghose gerade nicht.

Mostly Harmless: Müssen wir das vom hessischen übersetzen? Einer hotter wie der andere 😊

Nils: Kommt ihr nicht aus Frankfurt?

Mostly Harmless: Teilweise 😊, einmal Frankfurt, einmal Nordrhein-Westfalen

Eddie: Ah ei ingeplakte (Anmerkung der Redaktion: Hessisch für ah eine Zugezogene). Wir waren die letzte Woche in Gummersbach. Gefühlt war die Bühne so groß wie ein Handtuch, aber der Laden war randvoll. Es waren so großartige Leute da, mit denen wir bis ultimo gefeiert haben.

 

Mostly Harmless: Wollt ihr euch das beibehalten, wenn ihr berühmter werdet?

Eddie: Ich sag immer ein Schritt vor dem Anderen. Ich bin ja selbst auch Fan und gehe zu Konzerten.

Mostly Harmless: Echt? Da bist du einer von wenigen.

Eddie: Ja ich mach das tatsächlich, ich habe auch schon große Idole treffen können, die oberkorrekt waren, auch mir gegenüber. Wir sind hier nicht die große Nummer, sondern umgängliche Leute, natürlich unterhält man sich dann auch mit Leuten.

Nils: Das gehört einfach dazu. Ich kenn selbst viele Bands, die gerade am Kommen sind, aber die sind schon so abgehoben, dass sie nicht mehr mit den Fans reden. Was soll das denn? Die Leute kommen auf unser Konzert und wenn jemand cool ist und babbeln will ei dann sind wir doch am Start. Klar, wenn du 2 Stunden gespielt hast, bist du irgendwann mal im Arsch. Du hast für alles immer nur ein gewisses Limit.

Eddie: Man darf auch nie vergessen wo man herkommt.

 

Mostly Harmless: Im Sommer 2018 habt ihr euer Album „Nur vom Feinsten“ rausgebracht. Ich habe nur gute Reviews gefunden.

Eddie: Das wundert uns nicht.

Mostly Harmless: Selbstbewusstsein ist dann schon mal da.

Eddie: Ich höre die Platte privat selbst und nicht, weil ich darauf gespielt habe, sondern weil die einfach geil ist.

Mostly Harmless: Aber im Normalfall findet man mal ein/zwei schlechte Reviews, aber bei euch nicht.

Eddie: Aber das ist normal, du kannst es nie allen recht machen.

Nils: Wir haben ein Review bekommen, das unterirdisch war.

Eddie: Oh ja das Eine!!

Nils: Das war von irgendeinem Magazin, was per se gegen deutschsprachige Rockmusik ist. Da waren Frei.Wild und Onkelz Reviews drauf, das geht gar nicht und dann ah der macht deutsche Rockmusik, ab in die Schublade. Ich wurde als Prolet dargestellt.

Eddie: Ja, ja du warst der Prolet. Wir haben 3 von 15 Sternen bekommen. Aber ich sehe das positiv und denke mir, da ist ganz viel Luft nach oben. Wir haben ja auch Ziele: der vierte Stern.

Nils: Scheiß auf das eine Review.

Mostly Harmless: Ich habe das nicht gefunden

Nils & Eddie gleichzeitig: Ich schick es dir mal rüber.

 

Mostly Harmless: Ihr habt dieses Jahr das Label gewechselt und seit nun bei Wellenbrecher. Warum?

Nils: Wir haben Wellenbrecher letztes Jahr auf der GOND kennengelernt, wir sind ins Gespräch gekommen, sie haben das Album gehört und fanden uns cool. Wir hatten einfach den Eindruck, dass wir da in guten Händen sind.

Mostly Harmless: Aber Wellenbrecher ist schon sehr deutschrocklastig, oder?

Nils: Ja schon, aber in erster Linie geht es darum ein Label/Partner zu finden, welcher dir vertraut. Normalerweise hast du eine fertige Platte und bewirbst dich bei einem Label, bei uns wars andersrum. Sie verlassen sich darauf, dass die zweite Platte auch fett wird, und wir können jetzt schon sagen, sie wird noch fetter.

Mostly Harmless: Die kommt wann raus?

Nils: Können wir noch nicht sagen.

Mostly Harmless: Kannst du schon.

Nils: Das wissen wir noch nicht genau. Im letzten Quartal des Jahres werden wir uns ins Studio begeben. Wir haben jetzt erst mal eine Tour. Songs sind schon geschrieben.

 

Mostly Harmless: Was macht ihr wenn ihr nicht auf der Bühne steht?

Nils: Urlaub, so oft wie es geht bin ich im Urlaub mit meiner Frau. Beruflich bin ich Sozialarbeiter.

Sascha: Motorradfahren

Sepp: Ja, das mach ich auch ganz gerne.

Mostly Harmless: Joghurtbecher oder Harley?

Sascha: Joghurtbecher.

Nils: Was is'n ein Joghurtbecher?

Sascha: Vollverkleidet.

Mostly Harmless: Und was arbeitest du?

Sascha: Ich bin Projektmanager.

Eddie: Ich arbeite eigentlich für die NSA, aber das soll niemand wissen. Als Tarnung habe ich ein Kiosk im Waldschwimmbad, im Winter nur scheiße, da kommen so wenig. Und ansonsten mag ich Kreuzworträtsel und Scrabble.

Sepp: Ich fahre auch Motorrad, auch Joghurtbecher. Arbeit? Ich bin gelernter Mauerer und mache gerade meine Meisterschule.

 

Mostly Harmless: Welche Bar/Kneipe würdet ihr jemandem empfehlen, der nicht aus Frankfurt oder Umgebung kommt?

Nils: Boah, mein liebster Platz hat zugemacht, bevor ich nach Frankfurt gezogen bin, und das war die alte Batschkapp.

Mostly Harmless: Voll verständlich.

Nils: Bei uns im Nordend gibt es eine geile Kneipe, die „Normalkneipe“, da gibt es 300 Sorten Bier.

Mostly Harmless: Sascha und du?

Sascha: Keine Ahnung, ich komme nicht aus Frankfurt und Frankfurt ist scheiße.

Alle: ohhhhh, Alter.

Eddie: Wie lange bist du in der Band? Ab morgen dann nicht mehr 😊. Bei mir ist es auch die alte Batschkapp, die vermissen wir sehr.

Mostly Harmless: Das geht uns allen so.

Eddie: Sonst das Nachtleben.

Sepp: Auf jeden Fall Alt-Sachsenhausen. Altsachs ist eine riesen Kneipe.

 

Mostly Harmless: Wir sagen Danke und die letzten Worte gehören wie immer euch.

Nils: Danke euch, das ihr euch die Zeit genommen habt und hergekommen seid. Wie ihr seht, sind wir mega im Stress. Das ist unsere erste eigene Veranstaltung und wird nicht die letzte sein. Frankfurts Finest Part 2 nächstes Jahr am 09. Mai 2020.

Wir bedanken uns bei den Zuhörern, bei denen, die auf unsere Konzerte kommen und einfach bei allen, die uns unterstützen.

Sascha: Danke für das nette Gespräch.