Mostly Harmless: Die Aufräumarbeiten sind beendet, das Festival ist vorbei. Wie ist Dein Fazit?
Kai: Ich denke das Alpen Flair Südtirol wird allen Beteiligten vor, auf und hinter der Bühne sehr wohlig im Gedächtnis bleiben und noch lange für schöne Träume sorgen. Selbst der Wettergott hat sich zu 95% von seiner strahlenden Seite präsentiert...außer natürlich bei der Frei.Wild Show am Samstag, aber das gehört wohl mittlerweile zum „guten Ton“ der Veranstaltung, dass es bei ihrem Auftritt regnet ;-)
Auch in puncto Ablauf und Ambiente konnten wir bislang keinerlei negative Stimmen erhaschen und somit sind dann auch wir zufrieden, denn nur wenn Besucher und Künstler sich bei uns wohlfühlen, dann können wir beruhigt schlafen. Alles in Allem war die 2017er Ausgabe des Alpen Flairs eine runde Sache mit unzähligen Höhepunkten und schönen Anekdoten.
Mostly Harmless: Das Alpen Flair Festival läuft ja immer am Limit der Auslastung. Habt Ihr schon über ein anderes Gelände bzw. größeres Gelände nachgedacht?
Kai: Also Verlegung des Alpen Flairs auf ein anderes Gelände kommt vorerst überhaupt nicht in Betracht, denn exakt das Ex Nato-Areal mit seinen besonderen Gegebenheiten spiegelt den speziellen Charme der ganzen Veranstaltung wieder und das darf auf keinen Fall verloren gehen. Dort fühlen wir uns zuhause und dort gehören wir hin.
Eventuell könnte man das Gelände im hinteren Bereich noch etwas umstrukturieren, um die Kapazität bei Bedarf etwas zu erhöhen, aber auch das steht im Moment nicht zur Debatte.
Egal wie, das Ding muss sein Flair und seine Gemütlichkeit behalten, sonst bin ich raus ;-)
Mostly Harmless: Fans äußern generell in den sozialen Netzwerken Kritik, dass keine Rücksäcke mehr mit auf das Gelände der Festivals genommen werden darf. Was kannst du als Veranstalter dazu sagen?
Kai: Äußern sie wirklich Kritik, oder ist es nicht eher die Bequemlichkeit des Einzelnen und die Durchsetzung des eigenen Egos? Ich denke jedem ist die eigene Sicherheit wichtig und wenn hier Maßnahmen ergriffen werden, die die Sicherheit erhöhen und somit ein Teil Unbehagen ausgemerzt werden kann, damit sich Ausgelassenheit einstellt, dann nimmt man dieses doch gerne in Kauf...zudem ist es ja nicht wirklich eine Einschränkung, die einen behindert, oder?!
Mostly Harmless: Die Festivals dieses Jahr sind ja von Abbrüchen nicht verschont geblieben (aus diversen Gründen). Beim Alpen Flair lief letztes Jahr im strömenden Regen (In Natz regnet es nie :- ) wie auch dieses Jahr bei einer Bullenhitze, soweit wir wissen, alles ohne Zwischenfälle ab. Wie macht Ihr das? Und habt Ihr erhöhte Sicherheitsvorkehrungen?
Kai: Wenn das Wetter kommt, dann kommt es. Da kann man dann nur reagieren und Maßnahmen treffen. 2016 haben wir das Fest mit enormen Kraftanstrengungen „gerettet“ und 2017 hatten wir schlichtweg Glück. Den Samstagabend haben auch wir stets gen Himmel geschaut und zusammen mit Fachleuten beobachtet, wie die Gewitterfront um uns herum verläuft. Gott sei Dank hat der Wind nicht gedreht und das Gewitter mit Starkregen und Hagel hat uns umschifft. Präventivmaßnahmen zwecks Evakuierung etc. hatten wir allerdings bereits am Abend getroffen und waren vorbereitet.
Mostly Harmless: Einige schaffen es doch immer wieder Bengalos mit auf das Festivalgelände zubekommen. Was sagst du als Veranstalter dazu?
Kai: Ich kann es einfach nicht verstehen. Klar sieht das „beeindruckend“ aus wenn hier das ganze Gelände brennt, aber die Dinger sind nun mal gefährlich (gerade wenn dann noch Alkohol im Spiel ist). Jeder, der das toleriert, oder gar befürwortet, handelt in meinen Augen grob fahrlässig. Passieren Unfälle mit Brandwunden und schwersten Verbrennungen in der Masse, dann wäre das Geschrei groß. Damit kann und darf ich mich als Veranstalter nicht konsolidieren.
Mostly Harmless: In Facebook kursiert ein Bild mit einem riesigen Haufen an Müll welcher von den Campern zurückgelassen wurde. Möchtest du den Besuchern was dazu sagen?
Kai: Da fehlen einem echt die Worte und ich frage mich, was manche Menschen für eine Erziehung genossen haben. Macht das Zuhause in Eurem Kinderzimmer, WG, oder Eigenheim und ihr werdet sehen wie Eltern, Mitbewohner und Partner reagieren. Da gibt’s garantiert Stress. Wir können nur immer wieder an die Vernunft appellieren seinen eigenen Mist auch wieder weg zu räumen. Ansonsten liegen die Müllentsorgungskosten irgendwann über den gemeinen Festivalkosten. Das wäre doch ein Albtraum.
Mostly Harmless: Was war von allen AlpenFlair Festivals dein persönliches Highlight?
Kai: Jede Ausgabe ist sein eigenes Highlight, aber für mich persönlich wird das Jahr 2017 im Kalender definitiv mit einem Herzchen umrandet ;-)
Mostly Harmless: Und ist schon mal was schief gegangen…also so richtig meinen wir? Und wenn ja, was?
Kai: Schiefgehen tut immer etwas. Es ist die Kunst die Sachen schnell wieder gerade zu bügeln, ohne dass jemand Schaden davon trägt, geschweige denn etwas merkt ;-) Aber so richtig große Schnitzer sind uns bislang noch nicht passiert. Gott sei Dank ;-)
Mostly Harmless: Welche Künstler leiden denn am meisten unter Allüren, Newcomer oder Stars? Hast du hier eine Anekdote für unsere Leser?
Kai: Also es gibt schon Künstler, die es etwas „Außergewöhnlich“ lieben und spezielle Anforderungen stellen. Da kommt man schon mal ins Rotieren und rollt mit den Augen, ABER wir wären nicht das Alpen Flair Festival, wenn wir bislang nicht noch jede Allüre gemeistert hätten. Dafür sind wir da und dafür stehen wir auch hoch im Kurs bei den Bands, die bereits bei uns zu Gast waren.
Mostly Harmless: Wie immer gehört das Schlusswort Dir. :-)Leg los!
Kai: 2017 ist Geschichte, aber ein neues interessantes Kapitel des Alpen Flair Romans ist bereits im Historienbuch aufgeschlagen, um Zeilen von Freude, Ausgelassenheit, Zusammenhalt, Frieden und Famlienzugehörigkeit zu schreiben.
Wir freuen uns auf jeden, der Teil dieser Story sein möchte und wird! 2018 verspricht jetzt schon grandios zu werden und ich persönlich kann es kaum erwarten endlich wieder „Heiligen Boden“ zu betreten Highlander ;-)

Mostly Harmless sagt DANKE an Kai Michelmann