Mostly Harmless: Eure Pause geht bereits einige Monate, wie gehst du mit dem Bühnenentzug um?

Philipp Burger:  Mit Alkohol *lacht*. Nein, überhaupt nicht. Wir sind jeden Tag im Studio. Unser neues Album ist fertig. Wir bereiten uns grundsätzlich auf das was kommt vor. Deshalb bleibt nicht so viel Zeit darüber nachzudenken, wie es ohne Bühne ist. Ich muss auch ehrlich sagen, ich vermiss es derzeit noch nicht so, jedes Wochenende unterwegs zu sein. Es ist wirklich auch gut, dass wir die Sachen die wir vor uns hergeschoben haben, Step by Step abarbeiten können. Ich kümmere mich um all das, für das es nach der Pause wieder zu wenig Zeit gibt.

 

Mostly Harmless: Pause wird also durchgezogen, Ausnahme das Baltic Open Air?

Philipp Burger: Aber auf dem Baltic spielen wir, weil wir den Vertrag bereits unterschrieben hatten. Sonst würden wir dort nicht spielen. Der Veranstalter war ein schlauer Hund, er hat uns damals gleich verpflichtet. Wir haben zugesagt und dann machen wir das auch. Wir hatten aber tatsächlich auch darüber nachgedacht mit dem Veranstalter zu sprechen, und zu sagen: „Pass auf, wir holen es nächstes Jahr nach“, aber das ging nicht. Verstehen wir auch. Es ist auch gut wieder zu proben für heute, es macht Spaß.

 

Mostly Harmless: Wo spielst du persönlich lieber Festival oder Halle?

Philipp Burger: Wir sind eine Band, die man eher von Festivals schmeißt als einlädt, muss man ehrlich sagen. Deshalb spiele ich lieber Halle *alle lachen*. Die Festivalkultur wie wir sie 2010 / 2011 hatten gibt es nicht mehr bei Frei. Wild. Das hat einen einzigen Grund. Als wir vom With Full Force geflogen sind bzw. wir freiwillig gegangen sind, weil wir das Festival nicht kaputt machen wollten. Die nächsten die dann den „Schwanz eingezogen“ haben war Wacken, dort waren wir direkt vor Rammstein gesetzt. Sie haben uns damals auch fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Es wurde lieber auf das gehört was andere geraten haben. Ist auch Wurst, wir sind nicht nachtragend. Auf der anderen Seite nicht auf Festivals zu spielen hat auch etwas Gutes: Du übersättigst die Leute nicht und überspielst dich nicht. Das Überspielen wird auf Dauer jede Band Fans und Erfolg kosten.

Mostly Harmless: Es ist auch hörbar, wenn Bands überspielt sind.

Philipp Burger: Ja, das ist so. Danach kannst du machen was du willst die Dynamik fehlt. Ich finde die Dynamik wichtig. Es ist wichtig auch zusagen, wir spielen jetzt nur mal alles was wir selbst zustande bekommen haben. Danach lassen wir mal wieder Luft, auch für einen selbst. Derzeit soll es bei uns mit den großen Festivals nicht sein. Wir hatten früher u.a. Gespräche mit Rock am Ring. Marek L. war auch schon auf dem Alpen Flair um sich hier alles anzuschauen. Hat aber leider nicht geklappt, denke das wird auch so schnell nicht passieren. Es gibt einige Leute die sagen, ich hole mir den Ärger nicht ins Haus.

Hier ist das Festival cool – hoffentlich werden wir hier nicht rausgeschmissen. Es gibt auch Festivals dort werden wir wie ein Aussätziger behandelt. Ab und an kommen dann Bands zu uns und sagen ihr seid ganz anders wie wir gedacht haben.

 

Mostly Harmless: Bist du trotz der vielen Bühnenerfahrung noch aufgeregt, wenn du auf die Bühne gehst?

Philipp Burger: Immer extrem. Nicht so wie beim Echo, da war ich kurz vor einem Herzinfarkt. Das ist kein Witz. Das ertrage ich nicht noch mal. Wir waren damals die ganze Nacht unterwegs. Wir wussten selbst nicht ob wir hingehen – die Geschichte kennt jeder – ich hatte da echt ein dünnes Nervenkleid. Erst die Rede und dann das Konzert. Zusätzlich wurde unser Flug gecancelt. Der Flieger ist Nachmittag in einen Taubenschlag geflogen, so dass er notlanden musste. Da hatten wir alle Flugangst.

So nervös bin ich sonst nicht. Aber ich bin so nervös, dass ich kurz vor dem Auftritt auch mal die Augen schließe und in mich gehe. Gegebenenfalls spreche ich auch noch mal ein Gebet und hoffe, dass alles gut rumgeht. Sobald ich das gemacht habe, denke ich mir: Nun passiert nichts mehr, was ich nicht ertragen kann. Eine verstimmte Gitarre macht mich nicht nervös.

 

Mostly Harmless: Was machst du gegen die Nervosität bevor du auf die Bühne gehst?

Philipp Burger:  Es gibt 3 Möglichkeiten: 1. Ich trinke ein paar Bier, aber das ist nicht geil, weil ich davon immer müde werde.  Ansonsten geh ich nachmittags joggen, da bin ich dann schon sehr ruhig. Sonst mache ich nichts. Es dauert immer ein paar Tage bis Routine drin ist, aber dann macht es Spaß – richtig Spaß.

 

Mostly Harmless: Wie laufen eure Proben vor einer Tour ab?

Philipp Burger:  Das müsst ihr euch so vorstellen: Wir treffen uns, jeder hat seine Liste mit Liedern die er gerne spielen möchte dabei. Dann gibt es immer Diskussionen, welche Lieder rausfallen. Diese Entscheidung wird von Jahr zu Jahr schwieriger, da wir Lieder haben, die wir nicht streichen können wie zum Beispiel: Südtirol oder Land der Vollidioten. Irgendwann fliegt dann einer. Wenn die Nummern feststehen sehen wir uns 3-4 Wochen nicht. In dieser Zeit übt jeder seinen Part zu Hause und dann kommen wir ins Studio. Dort wird geprobt wie auf der Bühne. Wir proben 5x die Woche früh morgens – weil es da noch nicht so warm ist – um 8:30 Uhr bis mittags durch. Das war es das dann.

 

Mostly Harmless: 2018 - Worauf können eure Fans sich freuen?

Philipp Burger:  2018 werden wir innerhalb vom ersten Drittel des Jahres zurückkommen. Wir werden ein Album herausbringen, wir überlegen eine Tour zu machen.  Den Rest kann und darf ich euch nicht verraten-

 

Mostly Harmless: Wir danken dir für deine Zeit, die letzten Worte von diesem Interview gehören dir für deine Fans.

Philipp Burger:  Ihr habt euch die beste Band ausgesucht, die es gibt *lacht*. Habt noch etwas Geduld, bald sind wir zurück. Wir werden in wenigen Wochen Step by Step Sachen rausdonnern und dann wird es wieder laut. Frei.Wild wird wieder sehr präsent sein. Wir haben noch was vor, was wir nicht verraten dürfen.