Crematory im Interview - Zwischen Japan, Hamburg, Tennessee und dem Hausmüll

Mostly Harmless: Hallo Zusammen, danke das ihr euch die Zeit nehmt.
Alle: Hallo, sehr gerne.
Mostly Harmless: Wie wir vom Rolf erfahren habt, seid ihr ja ganz knapp über 28 Jahre, wie ist denn da im Tourbus? Tun einem am nächsten Tag die Gräten weh? Oder betrinkt ihr euch bis ihr einschlaft?
Alle: Alles zusammen, das komplette Programm.
Felix: Das ist unterschiedlich. Wenn man trinkt, tun einem natürlich am nächsten Tag die Gräten weh.
Rolf: Also wir feiern auch. Wir bestehen auf den Absacker nach der Show.
Mostly Harmless: Aber wirklich nur einen!
Rolf: Nee nee, je nach Hotel. Wir kamen auch schon in Hotels rein, wo der „Anführer“ so ein geiler Vogel war, da haben wir nichts getrunken.
Mostly Harmless: Das heißt ihr schlaft gar nicht mehr im Tourbus, sondern nur noch in Hotels?
Rolf: Ja, wir machen meistens keine Touren mehr am Stück, sondern spielen nur Einzelshows.
Tosse: Wochenendshows, wobei dieses Jahr im Herbst eine Tour geplant ist.
Mostly Harmless: Ihr steht schon länger auf der Bühne, gibt es denn irgendwas wo ihr sagt, dass würde ich gerne mal erleben, mit der Band oder dem Musiker würde ich gerne mal spielen?
Rolf: Ja, Felix und ich wir hatten was besprochen. Weißt du noch was wir beide gerne machen würden?
Felix: In Japan spielen.
Rolf: So sieht´s aus. Siehst du der Felix weiß das sofort. Wir haben noch nie in Japan gespielt, das wäre unser Wunsch.
Felix: 3 Tage fressen, 1 Tag spielen. Kulinarisches erleben natürlich, und dann 1 Tag spielen. Das wäre wirklich ein Traum. Das habe ich jetzt in 25 Jahren mit der Band noch nicht erlebt. Das wäre ein Highlight.
Mostly Harmless: Und woran hängst?
Felix: ähhhh, es hängt daran, dass z.Bsp. unser Schlagzeuger Flugangst hat. Die Nachfrage ist zwar da, aber das ist nicht so einfach.
Tosse: Japan ist für Gothic Metal nicht gemacht.
Rolf: Japan ist nach wie vor so ein bisschen progressiv. Hohe Gesänge das ist immer noch IN da und das haben wir nicht.
Tosse: Ich hätte gerne noch mit meinem Ziehvater gespielt, aber das hat leider nicht mehr geklappt. Lemmy von Motorhead ist eigentlich mein Ziehvater, weil meine Mutter war damals in den Docks und Groupie von ihm. Ich konnte es leider nie beweisen, ich habe ein paar Livebilder da sieht man es aber ganz deutlich. Er ist jetzt leider tot und ich habe es nicht geschafft ihm zu begegnen – meinem Vater (Anmerkung von Mostly Harmless: In wieweit das wahr ist, ist eurer Fantasie überlassen).
Mostly Harmless: Irgendwelche verrückten Dinge die ihr auf der Bühne erlebt habt? Gibt es da irgendwas wo ihr sagt, das war mein Highlight?
Felix: Jeder Abend aufs Neue. Genau deswegen machen wir es ja eigentlich um verrückte Dinge zu erleben.
Rolf: Das ist schon verrückt für uns.
Felix: Da muss man trauriger Weise schon sagen. Da jeder von uns seinen Alltag hat und ein Berufsleben. Da ist es natürlich schön, am Wochenende ein bisschen spielen zu dürfen und rauszukommen.
Mostly Harmless: Das klingt, als dürftet ihr sonst eure vier Wände nicht verlassen.
Felix: Ja, so ist es eigentlich auch. Man hat mit der Band natürlich schon mal die Möglichkeit, eben übers Wochenende nach Moskau zu fliegen, nach St. Petersburg – kriegt es bezahlt – hat eine tolle Show, lernt Leute kennen, fliegt dann eben sonntags wieder zurück und montags geht man wieder arbeiten.
Rolf: Wir sind Weekend Warriors!!
Tosse: CREMATORY ist aus einer Vollprofimusikerband zu einer semiprofessionellen Band geworden. Wir haben alle unseren Daytimejob 9 to 5. Es hat den Vorteil – ich sag mal – kurz das Rockmusikerleben, aber dann wieder in den Alltag zu kommen. Manchmal ist es auch schwierig sich wieder umzustellen. Du kommst gerade von Moskau und dann ist Montagsmorgen der Aufprall da.
Rolf: Von der Bühne runter und den Müll raustragen. Da prallen 2 Welten zusammen.
Mostly Harmless: Was macht ihr beruflich?
Rolf: Ich bin Profi-Müllrausbringer. *lachen*
Felix: Ich bin gelernter Koch und arbeite als Küchenchef
Tosse: Ich bin Suchttherapeut. *lachen* Im Ernst. Das mach ich seit 20 Jahren.
Rolf: Der Tosse therapiert uns auf Tour.
Mostly Harmless: Bei all den Ländern die ihr bis jetzt bereist habt, was war euer Favorit? *stille*
Felix: Das ist schwer zu sagen. Russland ist schon schön
Tosse: Russland ist ein schönes Land, auf jeden Fall.
Felix: Die Leute sind euphorisch, können richtig feiern. Wenn du da einen Club hast mit 1.000 – 2.000 Leuten, die nur wegen dir da sind, das ist schon eine feine Sache.
Tosse: Rolf es tut mir leid, aber ich muss leider sagen Tschechien war geil.
Rolf: Da habe ich mit Krankenhausaufenthalt geglänzt, letztes Jahr.
Tosse: Rolf war krank, aber wir haben es trotzdem durchgezogen. Er hat uns ganz klar gefehlt. Das Publikum hat mich sehr positiv überrascht, die haben uns abgefeiert, einfach schön. Open Air im Sommer – 10.000 Leute, es war einfach der Hammer. Die Gespräche mit den Leuten, die Autogrammstunde - das Gefühl war einfach so herzlich.
Rolf: Ich war jetzt bereits 2x in Moskau und war davon immer wieder beeindruckt. Die Stadt, die Leuten - einfach super. Da knallen Superreich und Superarm aufeinander – so richtig extrem. Ich war von 7 Jahren das erste Mal da, da habe ich eine Frau gesehen, die hat in einem U-Bahn-Schacht gesessen und hat nicht Streichholzschachteln, sondern einzelne Streichhölzer versucht zu verkaufen, und oben drüber fahren die Stretch-Limousinen. Das fand ich echt brutal.
Mostly Harmless: Wenn wir gerade schon mal beim Thema Krankenhaus waren, nach dem Heathen Rock Festival ging es doch für einen direkt ins Krankenhaus. Was war los? *alle überlegen*
Rolf: Ja, unser Drummer, Nasenscheidewand.
Mostly Harmless: Achso, dem ist nichts auf dem Festival passiert.
Tosse: Nee Ausnahmsweise mal nicht, das war das Konzert vorher, das mussten wir absagen. Da hatte er sich am Knöchel verletzt.
Rolf: Apropo: Hamburg auch geil, mal gar nicht so weit ins Ausland. Hamburg ist sensationell.
Mostly Harmless: Von den Konzerten her? Ist es da anders wie auf anderen Konzerten in Deutschland?
Felix: Ja, es fühlt sich schon etwas anders an.
Tosse: Ja, die Hamburger gehen schon ab.
Felix: Alles etwas kerniger. Es ist hart aber herzlich
Rolf: Es wird etwas rau, aber die sind ganz nett.
Tosse: Die feiern immer ab.
Rolf: Des ist echt so
Felix: Ich war nie in Hamburg.
Mostly Harmless: Wo warst du bei dem Konzert?
Felix: Nicht in Hamburg, in Tennessee *alle lachen*
Tosse: Er war im Tennessee-Reich.
Mostly Harmless: Wir verstehen !!
Tosse: Straight Bourbon World.
Mostly Harmless: Andere Frage, was kann man von euch 2017 noch erwarten?
Rolf: Wir spielen auf dem Master of Rock Festival.
Mostly Harmless: Das ist wo?
Rolf & Tosse: auch Tschechien
Rolf: Aber das ist größer und da bin ich dieses Jahr auch definitiv nicht im Krankenhaus – das habe ich mir fest vorgenommen.
Tosse: Das haben wir uns letztes Jahr erspielt, weil der Veranstalter so begeistert war, hat er gesagt: „Nächstes Jahr spielt ihr beim Master of Rock“.
Mostly Harmless: Was heißt denn es ist etwas größer? Wie viele Leute werden dort erwartet?
Felix: Zwischen 26.000 – 30.000 Leute.
Tosse: Da haben alle Metal-Größen schon gespielt. Was noch ist, wir haben ganz dezent mit einem neuen Album begonnen, für nächstes Jahr.
Mostly Harmless: Und wie weit seid ihr da?
Tosse: Ein paar Riffs, ein paar Keyboardspuren – so ein paar Sachen halt.
Rolf: Die Richtung ist so: Es wird schon Death-Metalig, aber auch wie gehabt Crematory-Style. Viel Keyboard, schöne Melodien.
Mostly Harmless: Wer schreibt bei euch die Songs?
Felix: Alle, jeder bringt Ideen ran. So entsteht ein Soundgerüst, das wird dann ausgefeilte. Der Produzent hat auch 2 Ohren, die nicht direkt in der Band sind und feilt mit an den Songs.
Mostly Harmless: Die letzten Worte gehören wie immer an dieser Stelle euch. *stille*
Mostly Harmless: WoW ihr habt aber viel zu sagen :-) , ok was hört ihr den gerade selbst so?
Tosse: Ähhhh, ich gehe jetzt im August auf ein Konzert. Der Band renne ich seit 3 Jahren hinterher um sie mal live zu sehen „ White Chapel “. Das ist moderner Death Metal aus Amerika, finde ich total geil.
Felix: Ich habe gerad Benighted im CD-Player. Das ist eine französische Death Metal Band, die sind gut. Habe ich gerade erst vorgestern bekommen.
Mostly Harmless: Dann danke fürs Interview.
Rolf: You are welcome, it was a pleasure.