Wir wollten es genauer wissen und haben Philipp Burger ein paar Fragen gestellt.
Mostly Harmless: Der Song " Macht euch endlich alle platt“ wurde letzte Woche veröffentlicht. Er sorgte binnen von Minuten für gigantische Reichweite und Tendenz steigend. Entstand dieses doch sehr klare Statement noch aus einem weiteren Hintergrund oder war es vor allem die Reaktion auf die Situation während des G20 Gipfels in Hamburg?
Philipp: Um es genau zu sagen, war und ist dieser Song mehr als nur die Antwort auf die G20 Gewaltaktionen. Dennoch passte der Veröffentlichungszeitraum jetzt wie Arsch auf Eimer. Wir sahen den Wahnsinn im Fernsehen, überlegten kurz und wussten, wenn nicht jetzt, dann nie. „Macht euch endlich alle platt“ ist unsere eigene Version auch musikalisch zu untermauern, warum wir das Handeln und das strohdumme Argumentieren all jener verurteilen, die für ihre „vermeintlichen“ politischen Ideale einfach nur beschissen agieren, und über jede nur mögliche Grenze hinweg marschieren. Ich meine hier weiß Gott nicht nur die Grenze des Gesetzes, es geht hier noch viel weiter. Für jeden mit zumindest einem kleinen Quäntchen Verstand dürfte es spätestens jetzt verständlich sein, warum wir immer so viel Wert darauf gelegt haben keine Extremistenseite außen vor zu lassen und/oder als weniger schlimm als die andere darzustellen. Das stelle in der Vergangenheit, so glaube ich, auch das allergrößte Problem überhaupt dar, denn damit standen wir bis auf wenige Ausnahmen als einzige da. Somit alleine gegen alle, die es anders sahen. Keine Wunder also, dass es uns nach diesen Krawallen wichtig war, die Leute dazu zu bewegen, einfach mal hinzuschauen und erkennen zu lassen: „Achtung, das sind im Grunde dieselben Arschl…. wie die anderen“.
Mostly Harmless: Was meinst du damit genau?
Philipp: Nun, das was ich sagte. Die Mechanismen sind auf beiden Seiten identisch und sind nicht selten auch eindeutig faschistoider Art. Nur leider wollen oder sehen das beide Lager nicht ein oder wenn dann immer auf der Seite ihres Gegenübers. Wir hatten uns durch unsere klare Antihaltung gegen beide Extremisten, schon seit Anbeginn unsere Band, große Feinde gemacht. Wie hier auch im Song beschrieben beide als „identische Scheiße und eben als Brüder im Geiste“ zu sehen. Und nein, diese "ihr müsst euch viel mehr von Rechtsextremen als von Linksextremen abgrenzen, weil…weil… weil…", lassen wir eben auch nicht gelten. Wir sind so erzogen worden, Menschen allein nach Handlungen zu beurteilen, sowohl im Positiven als auch im Negativen, und eben nicht nach sonstigen Punkten. Wenn etwas Scheiße ist, darf nicht die Farbe der Fahne den Unterschied machen. Noch einmal, auf die Handlung kommt es an und sonst auf gar nichts.
Mostly Harmless: Kamen Reaktionen von den Bands aus den benannten Städten aus dem Statement?
Philipp: Also ganz vorneweg, es hat schon durchaus seinen Grund, warum wir ganz bewusst auf die Künstler/ Acts der Ballungszentren der deutschen Musiklandschaft gezeigt haben, aber keine und niemanden direkt angesprochen haben. Zum Einen weil wir in so ziemlich jeder dieser Städte auch gute Kumpels und Kollegen haben die nicht in dieses angesprochene tendenziöse „nach rechtsextrem Angriff“ oder „nach linksextrem Duckmäuser“- Schema passen, und zum anderen auch, weil es reicht, dass andere in unzähligen Interviews Bandbashing betreiben. Das ist nicht unsere Art und das haben wir noch nie gemacht. Genau das wird von uns auch nicht kommen, hier scheint die Rocksparte langsam was vom Hip-Hop übernommen zu haben. Schade eigentlich. Und dennoch: Im Grunde sind uns die Meinungen, Aktionen, Statement von Kollegen und anderen Bands wirklich immer furzegal. Wir verurteilen nicht mal diejenigen die uns permanent an den Karren pissen oder wie letztens einfach Sachen erfinden, von denen wir nicht mal mit größten Phantasieanstrengung wissen, was hier eigentlich angesprochen wird. Was wir aber dieses Mal schon ausdrücken wollten, ist diese immer währende Doppelmoral mit der wir uns rum zu schlagen haben. Nun denn, die einen denken vielleicht eine einzige Sekunde darüber nach, der Rest macht es halt nicht, auch egal. Wichtig war uns hier einfach auch klar zu stellen, wie unsere Sicht auf die Dinge ist.
Mostly Harmless: In eurer WhatsApp Gruppe habt ihr um die 6000 Antworten erhalten. Welche Reaktionen habt ihr dort bekommen?
Philipp: Nur Gute, echt nur Gute! Die anderen teilt man uns auch nicht mit (lacht).
Mostly Harmless: Fühlst du dich missverstanden, wenn einige Medien berichten, dass dieser Song "nur" gegen links Extremismus ist?
Philipp: Nein, und ich jammere auch überhaupt nicht rum. Es ist nicht die Medienmeinung die mich interessiert oder belastet, es wären eigene Zweifel die ich im Grunde aber nicht wirklich oft habe, weil ich schon darauf achte was ich in welcher Form komponiere und in Richtung Veröffentlichung bringe. Ich möchte ebenso sagen, dass ich auch keinen Hass oder Groll auf Frei.Wild - Gegner habe. Ich bin sogar froh darüber, dass es sie überhaupt gibt. Ihr wisst doch, angegriffen wird immer nur derjenige, der den Ball hat. Wie langweilig wäre es denn wenn wir wie sehr viele andere Bands nur mit Rückenwind unterwegs wären? Ich will damit sagen, dass ich über die Gedankengänge von so ziemlich allen Menschen nachdenke, vor allem auch über die unserer Kritiker. Von einigen zunehmend Geistesgestörten mal abgesehen. Es ist auch nicht schlimm sondern befruchtend, dass es sehr verschiedene Meinungen gibt. Auch nicht, dass man mit meiner/unserer Ansicht nicht einher geht und nicht alles was wir machen gut finden muss. Es geht darum, dass das alles fair, konstruktiv und auf einem gewissen Niveau stattfindet. Ich muss in explizit diesem Fall ehrlich sein und sagen, dass ich hinter jeder dieser „Macht euch endlich alle platt“ Zeilen zu 100% stehe und auch überhaupt keinen Punkt sehe, der überhaupt streitbar wäre. Wir haben uns im Song und im Video sehr neutral verhalten und sowohl der einen als auch der anderen Seite ganz klar unsere rote Karte, den Mittelfinger und die Flanke gezeigt.
Mostly Harmless: Dieses Video zeigt von deiner Seite sehr viele Emotionen. Und du hast deinen Urlaub dafür abgebrochen. Was geht beim Schreiben eines solchen Songs in dir vor?
Philipp: Scheiße, wie erkläre ich das meiner Frau und meinen Kindern, dass ich mal eben Schwimmbad gegen Studio tauschen muss. Kein Wunder, dass ich so schlecht gelaunt aussehe (lacht).