Mostly Harmless: Erstmal vielen Dank, dass du dich bereit erklĂ€rt hast uns alle Geheimnisse heute zu verraten 😊.

Ich sehe dich schon seit Jahren immer mal wieder auf Konzerten und weis, dass du Produzent bist. Aber ich habe irgendwo gelesen, dass du Deutschlands erfolgreichster Produzent bist. Das wusste ich nicht “Hut ab“. Was macht dich dazu? Welche Auszeichnungen hast du alle?

Alex: Na dann möchte ich mich erstmal herzlich bei dem Schreiberling bedanken, der dies so in den Raum gestellt hat ;-)

Ich denke, es ist in erster Linie die KontinuitĂ€t, die ĂŒber all die Jahre den Erfolg ausmacht. Ich arbeite seit LĂ€ngerem mit einigen bekannten Bands der Szene zusammen und wir sind dadurch auch gemeinsam gewachsen. Jeder, der an der Produktion beteiligt war / ist, hat fĂŒr sich seine Erfahrungen ĂŒber die Jahre gesammelt und so hoben bzw. heben wir uns gegenseitig auf immer höheres Level. So konnten wir die Erfolge dann auch stets gemeinsam verbuchen. Die Leidenschaft, die hinter jeder Produktion steht, bleibt aber der wichtigste Faktor, um erfolgreich zu sein!

Habe mittlerweile einige Platin, Gold und auch eine Echo Auszeichnung!

 

Mostly Harmless: ErzÀhl doch mal ein bisschen, was genau ein Produzent macht?

Alex: Also, der Produzent, ganz besonders in meinem Fall, hört die Songs der Band als erstes als Konsument bzw. Endverbraucher, d.h. ich ticke praktisch wie der stinknormale Musikkonsument. Ein Musikkonsument mit MusikproduktionsaffinitÀt sozusagen.

Ich versuche so viel Einfluss auf die Songs zu nehmen, wie ich sie am Ende selbst gern hören möchte, um es mal herunter zu reduzieren.

Dabei versuche ich immer die Spannung aufrechtzuerhalten und Dynamik so zu platzieren, so dass am Ende ein schöner Song entsteht. Man ist aber verdammt abhĂ€ngig von den Songskizzen, die der KĂŒnstler liefert - das ist die Basis, ohne die leider nichts funktioniert!

 

 

Foto: Wikipedia

 

Mostly Harmless: Wie kam es dazu, dass du dich als Produzent selbststÀndig gemacht hast?

Alex: Ganz einfach, ich kenne keine Firma, welche ein AngestelltenverhÀltnis als Produzent ausschreibt.

Außerdem arbeite ich gern zu den unmöglichsten Zeiten - ich teile mir meine Arbeitszeiten gern selbst ein - es mĂŒssen ja zu diesen Zeitpunkten auch stets Ideen vorhanden sein. WennÂŽs mal nicht so lĂ€uft, dann höre ich lieber auf und widme mich anderen TĂ€tigkeiten. Bin nebenher leidenschaftlicher Handwerker. Da bekommst du den Kopf gut frei.

 

Mostly Harmless: Du bist auch als Musiker dem ein oder anderen bekannt. Ich sag nur Down Below. Vermisst du es auf der BĂŒhne zu stehen?

Alex: Ich war nie der Übermusiker, aber Spaß hat es trotzdem gemacht! Vielleicht werde ich auch mal wieder auf ÂŽner BĂŒhne stehen. Aber PrioritĂ€t hat der Job im Studio! Down Below war ÂŽne schöne Zeit, wir waren beim Raab, spielten Rock am Ring / Rock im Park, liefen bei GZSZ und hatten ÂŽne echt tolle Zeit. Leider hat man sich in zu unterschiedliche Richtungen entwickelt, so dass es nicht mehr funktioniert hat - zumal das Genre wo wir stattfanden, ĂŒber die Zeit wirklich geschrumpft ist 


 

Mostly Harmless: Kaum einer weiß, dass du bereits seit 2006 (ich glaub „mitten ins Herz“ war das) bei Frei.Wild produzierst. ErzĂ€hl doch mal aus deiner Sicht wie es zu der Zusammenarbeit kam?

Alex:  Die Jungs hatten anfangs beim Hazy von „Grober KnĂŒppel“ ihre Sachen aufgenommen. Er hatte bei der „Mitten ins Herz“ allerdings Unmengen an Spuren mit zu unterschiedlichen Pegeln auf analogen BĂ€ndern, so dass es in einem bestimmten Zeitraum schwierig geworden wĂ€re, dies zu sortieren und perfekt zu mischen! Daher fragte er mich (wir lernten uns ĂŒber eine Death Metal Band aus Nossen kennen, wo er als GastsĂ€nger fungierte und praktisch bei mir im Studio zu Gast war). Also alles ein Riesenzufall eigentlich, dass ich Freiwild dadurch kennenlernte! Ich habe dann den Job angenommen und dachte mir beim Arbeiten - nicht schlecht, der SĂ€nger hat ÂŽne Wahnsinnsstimme, durchsetzungsstark, sehr eigen und hat das GefĂŒhl fĂŒr schöne Gesangslinien - da könnte sicher mehr daraus werden! Habe dann doppelt so viel Zeit investiert als geplant, nur um fĂŒr mich das Beste rauszuholen, was mit diesen Tracks möglich war. Das Ergebnis hat der Band gefallen - hat auch aus dem Stand heraus gleich ein paar Alben verkauft. Ohne große Promo, das hat auch mir imponiert!

 

Mostly Harmless: Und was hÀlt dich so lange bei den Frei.Wild Jungs?

Alex: Also die ewige Autofahrt bis nach SĂŒdtirol ist es sicher nicht ;-))

Ich denke es ist das gegenseitige Vertrauen und auch die Herausforderung wieder etwas Neues zu probieren. Auch wenn es hart ist und man immer wieder an Grenzen stĂ¶ĂŸt, aber am Ende kommt immer was Schönes dabei heraus! Ich denke nur an „Still“ die Kochshow, das Hörbuch, das Coveralbum oder jetzt Still2 usw. Es sind alles Experimente, die ich von anderen Bands in der Form so nicht kenne!

 

Mostly Harmless:  So, jetzt bitte 1 bis 50 Geheimnisse verraten *wir sind ja unter uns*

Alex:  Es gibt doch gar keine Geheimnisse ;-) Besser gesagt, Freiwild geht ja sehr transparent mit der Öffentlichkeit und den Fans um, da wird wenig verschwiegen. Daher wĂ€re es schwierig dir jetzt irgendwas zu erzĂ€hlen was niemand weiß


 

Mostly Harmless: Einige Menschen behaupten ja rauszuhören, ob ein Album bei dir produziert wurde. Positiv wie negativ. Kann das ĂŒberhaupt sein?

Alex:  Das ist dann ĂŒbrigens ein Riesenkompliment. Darauf arbeitet man sein ganzes Leben hin, einfach seine Handschrift zu entwickeln. Schlimm wĂ€re es, wenn man keinen Stil entwickeln wĂŒrde, dann mĂŒsste man sich Gedanken machen!  Ich kann mich auch anstrengen alles ganz anders zu machen, aber am Ende drehe ich das Klangbild wieder dorthin wo ich es haben möchte. Du könntest alle Einstellungen löschen, nach einiger Zeit, hĂ€tte ich es wieder an derselben Stelle, ohne dass ich wissen mĂŒsste was ich zuvor genau gemacht habe. Intuitiv drĂŒckt man seinen Stempel drauf!

 

Mostly Harmless: Hat jeder Produzent seine eigene Handschrift?

Alex:  Ich denke, ab einem bestimmten Punkt, hat jeder seine Handschrift entwickelt, es dauert bei dem einen lĂ€nger als bei dem anderen. Umso wahrscheinlicher ist es, wenn man grĂ¶ĂŸtenteils ein musikalisches Genre bedient! Noch schöner ist es natĂŒrlich, wenn diese Handschrift auch ein paar Leute abholt!

 

Mostly Harmless: Mit welchen KĂŒnstlern hast du bereits zusammengearbeitet?

Alex: Ui, das waren eine ganze Menge - quer durch alle Genre hindurch


Einige davon waren:  Gonzo von den Onkelz, Guildo Horn, Frei.Wild, Hubert Kah, Unantastbar, Goitzsche Front, Stunde Null, HĂ€matom, Martin Kesici, Annemarie Eilfeld
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Mostly Harmless: Was sind die GrĂŒnde warum KĂŒnstler den Produzenten wechseln?

Alex: Ich denke es gibt zwei GrĂŒnde - einfach um etwas Neues auszuprobieren oder weil sie andere Erwartungen haben / hatten, das ist wie mit den Trainern beim Fußball.

 

Mostly Harmless: Wie ist die Zusammenarbeit mit Frei.Wild?

Alex: Herausfordernd, kreativ, in einem freundschaftlichen Umfeld.

 

Mostly Harmless: Frei.Wild ist nun schon lange bei dir. Was denkst du warum?

Alex: Da musst du sie fragen ;-)

 

Mostly Harmless: Was sind deine neuen Projekte?

Alex: Zurzeit arbeite ich mit einer grĂ¶ĂŸeren Band des Genres, wer es ist, wird noch nicht verraten. Nebenher noch mit einem Singer / Songwriter aus unseren Gefilden und auch noch mit einem KĂŒnstler, der letztlich eine Hommage auf alte Ostrockklassiker erschaffen hatte und damit gerade Erfolge feiert!

 

Mostly Harmless: Wie immer zum Schluss darfst du sagen, was du schon immer mal der Öffentlichkeit mitteilen wolltest.

Alex:  DafĂŒr wĂŒrde der Platz nicht reichen! Aber in musikalischer Hinsicht möchte ich an die Leute appellieren, sich doch Musik zu kaufen als sie sich illegal zu laden, nur das wird uns unsere Musiklandschaft erhalten und wachsen lassen. Ansonsten wird es bald sehr wenig qualitative Musik geben und das wĂ€re schade!