Mostly Harmless: Vielen Dank, dass du dir heute in Stuttgart, bei Still & Laut, Zeit nimmst. Dino, du bist bereits seit vielen Jahren im Bereich Security tätig. Wieso hast du dich für den Securityberuf entschieden?

Dino: Ich habe nichts Anderes gelernt, nein Spaß bei Seite. Ich habe andere Jobs gehabt, war 20 Jahre Rocker und bin irgendwann Papa geworden, dann musste ich eine anständige Arbeit haben. Ich habe drei abgeschlossene Berufs- ausbildungen.

Mostly Harmless: Die wären?

Dino: Schlosser, Hydrauliker und Kopfschlächter.

Mostly Harmless: Was ist das denn?

Dino: Ich war jeden Tag in Holland, auf dem größten Schlachthof, 7.000 Schweine getötet, ich habe den Koteletts Namen gegeben. Dann bekam ich ein Angebot und bin in die Rock´n´Roll Szene reingerutscht. Dann ging es los auf Rutsche, ich habe Bon Jovi und Motorhead, als diese auf Deutschlandtour waren, gemacht, dann Großveranstaltungen und ich habe dort bei den besten Leuten gelernt.

Mostly Harmless: Wer sind denn die Besten?

Dino: Der Tarzan und der Taelly zum Beispiel, das waren gute Leute, die haben mich gut geformt. Dann kamen erste Konzerte, Bühnengraben und ich hatte Blut geleckt.

 

Mostly Harmless:  Welche Aufgaben gehören ganz genau zu diesem Job, denn man sieht die Security immer nur im Bühnengraben oder am Einlass.

Dino: Das kommt darauf an, man fängt ganz klein an. Du bewachst erstmal den Notausgang, dann arbeitest du dich nach vorne und je nachdem wie talentiert du bist, wird dein Einsatzgebiet immer größer. Ich bin mittlerweile der Sicherheitschef vom Baltic Open Air, habe meine Jungs und eine eigene Firma, es läuft.

 

Mostly Harmless: Wie heißt deine Firma?

Dino: Rock´´´n´´Roll Security.

 

Mostly Harmless: Wie hat sich die Arbeit in den vergangenen Jahren verändert, beispielsweise durch den Terrorismus?

Dino: Das Thema ist sehr groß geworden, schon alleine wegen der vielen Anschläge. Wir arbeiten sehr eng mit der Polizei zusammen, wie zum Beispiel auf dem Oktoberfest in München. Ansonsten sind die Sicherheitsvorkehrungen größer geworden, das siehst du ja selbst.

 

Mostly Harmless: Geben euch die härteren und stärkeren Kontrollen auch ein Gefühl der Sicherheit?

Dino: Eigentlich nicht, denn die Events werden immer größer. Alle wollen immer mehr Geld verdienen, und deshalb wird immer mehr gespart. Als erstes wird immer an der Sicherheit gespart. Das heißt, wo wir vorher mit 60 Mann waren, sind wir jetzt nur noch mit 40, aber für die gleiche Leistung und die gleiche Arbeit.

 

Mostly Harmless: Welche Herausforderungen gibt es bei kleinen (Club-) Shows und welche bei großen (Hallen-) Konzerten?

Dino:  Kleine Clubs sind stressiger, als große Hallen.

Mostly Harmless: Warum?

Dino: Weil du auf viel mehr Ecken und Kanten achten musst. Hier gibt es zum Beispiel 12 Schleusen und dadurch stehen dir mehr Leute zur Verfügung. Bei den kleinen Clubs wird gespart, da hast du weniger Personal. So auf die Art, das letzte Mal ist auch nichts passiert. Ich habe die letzte Loveparade mitgemacht und da ist bis dahin auch nie was passiert, aber dann ist es passiert.

 

Mostly Harmless:  Was glaubst du, welches Außenbild hat die Security heutzutage?

Dino: Es ist gespalten. Du hast diese Möchtegern-Rambos, gegen die ich total bin, denn ich brauche niemanden der seine Ellbogen ausfährt und ein böses Gesicht macht. Die Gäste sind unser Kapital, mit ihnen sollte man ordentlich umgehen. Wenn ich dann mit einem Security rede und er antwortet mir schon pampig, dann weis ich, dass der auch so zu den Gästen ist und er kann direkt nach Hause gehen. Den check ich direkt aus.

 

Mostly Harmless: Das heißt: Du suchst deine Leute auch danach aus, dass sie auch wirklich wissen, das sie in einem Dienstleistungsgewerbe arbeiten?

Dino: Ja, und dass es Teamwork ist und wir Hand in Hand arbeiten. Wir müssen uns aufeinander verlassen können, denn wenn ich keine Rückendeckung habe, laufe ich ins offene Messer.

 

Mostly Harmless: Ihr müsst Ausbildungsscheine machen. Welche sind das?

Dino: Den großen 34a Schein. Ich habe noch eine Ausbildung als Personenschützer.

 

Mostly Harmless: Ah, du könntest also zum Beispiel, so wie man es sich vorstellt, einen Millionär beschützen?

Dino: Ja, nur bei mir ist der Nachteil ich fall voll auf.

Mostly Harmless: Das ist wohl wahr.

 

Mostly Harmless:  Was war das Verrückteste, das du erlebt hast?

Dino: So viel Platz hast du nicht *grinsen*. Ich habe den Trommler von Volbeat beim Full Force nicht Backstage gelassen, weil er keinen Ausweis hatte. Da hat er sich vorm Backstage auf eine Bank gelegt und am anderen Tag war er weg. Als Volbeat Soundcheck hatte, war er immer noch weg. Irgendwann kam er an gegrabbelt, er wusste nicht wie er aus dem Kornfeld, in das er ausversehen gefallen war, wieder rauskommen sollte.

 

Mostly Harmless: Müsst ihr, wenn ihr für solche Bands arbeitet, eine Verschwiegenheitserklärung oder ähnliches unterschreiben?

Dino: Nö, man spricht über den Kunden nicht. Gerade wie jetzt bei Frei.Wild, ich bin jetzt 10 Jahre dabei und es hat sich eine Freundschaft entwickelt, da macht man das einfach nicht.

 

Mostly Harmless: Wenn ihr unterwegs seid, bist du dann auch Personenschützer für die Bands?

Dino: Ja.

 

Mostly Harmless: Was ist der Unterschied zwischen normaler Toursecurity und dem Personenschutz? Gehst du überall mit ihnen hin?

Dino: Ja, du musst natürlich auf die Band aufpassen. Du kannst den Leuten nur vor den Kopf schauen und es kann immer ein schwarzes Schaf dabei sein. Siehst du ja auch zum Beispiel bei Politikern, die werden einfach in den Hals gestochen. Man muss immer wachsam sein und steht komplett unter Anspannung. Manchmal sprechen mich Leute an und ich reagiere nicht, weil ich mich auf meine Sache konzentriere. Manche Fans denken dann du bist eingebildet, dabei konzentriere ich mich auf meinen Job, denn ich bin ja nicht zum Spaß da. Ich bin für dich Sicherheit der Person/en zuständig und das hat oberste Priorität.

 

Mostly Harmless: Hattest du schon mal ein schlimmes Erlebnis? Wir waren mal auf einem Konzert von Manowar, da gab es eine Bombendrohung, und alles musste geräumt werden.

Dino: Hatten wir schon oft.

Mostly Harmless: Musstet ihr auch räumen?

Dino: Nein, auf dem Baltic Open Air hatten wir zum Beispiel, bevor wir überhaupt eröffnet haben, ein großes Polizeiaufgebot mit Spürhunden und Co. Dann achten natürlich meine Patrouillen noch mehr auf Rucksäcke und Zeug, welche irgendwo stehen.

 

Mostly Harmless: Was würdest du dir für den Securityjob in für die Zukunft wünschen?

Dino: Dass die Leute unsere Arbeit mehr schätzen.

Mostly Harmless: Von den Fans, den Bands oder von denen, die euch buchen?

Dino: Von Fans! Du hast immer schwarze Schafe dabei, du kannst nicht alle über einen Kamm scheren und auch Sicherheitsleute haben mal einen schlechten Tag. Irgendwann hast du die Schnauze voll, wenn dich da 20 Besoffene den ganzen Abend anpöbeln. Wir sind alle Menschen.

 

Mostly Harmless: Als wir letztens telefoniert haben hast du erzählt, du hast in einen anderen Bereich reingeschnuppert, und zwar ehrenamtlich.

Dino: Ja, bei Frank Zander.

Mostly Harmless: Magst du uns dazu was erzählen?

Dino: War eine total coole Sache. Hat mich total gefreut dabei sein zu dürfen und Frank zu helfen. Dort wurden 3.000 Obdachlose bewirtet und ich habe geholfen. Ich habe mich aber auch mitten reingesetzt und private Gespräche geführt. War eine sehr interessante Erfahrung und würde ich jederzeit wieder machen.

 

Mostly Harmless: Wenn ihr jetzt sein schmunzeln sehen könntet. Man hat beim Telefonat schon gemerkt, dass du sehr gerührt warst auch von den ganzen Geschichten. Deshalb wollte ich das unbedingt im Interview erwähnen. Wir sind am Ende angekommen, vielen Dank, möchtest du noch was sagen?

Dino: Ich danke euch. Schätzt einfach die Sicherheit, die euch geboten wird. So schlimm sind wir gar nicht.

Mostly Harmless: Sie sind eigentlich alle ganz lieb, sie gucken nur böse.

Dino: Nein, das ist der konzentrierte Blick - mache können den steuern, manche nicht. Mir sagt man auch immer ich würde böse gucken, dabei bin ich ein ganz liebes Kerlchen.