Mostly Harmless: Hallo, vielen Dank das du dir Zeit nimmst für das Interview.  In diesem Jahr stehen Onkel Tom laut Homepage noch dreimal auf der Bühne. Was ist für euch wichtig bei einem Auftritt?

Onkel Tom: Wichtig ist nur, dass alle Spaß haben/hatten. Darum geht es bei OT im Besonderen. Wir wollen mit den Fans zusammen eine Party feiern und auch im Anschluss an der Show noch für die Leute da sein, z.B. beim meet&greet. Da gibt es Autogramme, Smalltalks und auch Bierchen. Wir wollen unseren Fans einfach was zurückgeben, denn die Zahlen den Preis und sorgen dafür, dass eine Band überlebt. Das wird oftmals von sogenannte Rockstars vergessen, die nach der Show in die Limousine steigen und abhauen. Aber das sind wir nicht und wollen es auch nicht werden. Wir sind Metal Fans, die für 1-2 Stunden auf der Bühne stehen, aber immer wieder zurück zu unseren Fans und zu unseren eigenen Wurzeln kehren.

 

Mostly Harmless: Ist Lampenfieber nach all den Jahren noch ein Thema bzw. war das mal ein Thema?

Onkel Tom: Ja, das hört nie auf. Man macht sich halt immer Gedanken, ob die Technik durchhält oder wie die Band nach vorne aus der P.A. klingt etc. Natürlich denkt auch jeder Musiker darüber nach, wie er bei den Leuten ankommt und ob der Funke überschlägt. Die ersten 2-3 Titel sind da immer besonders wichtig. Aber wer völlig frei von Emotionen auf die Bühne geht, hat da nichts verloren, das würden dann auch die Fans merken.

 

Mostly Harmless: In einem alten Interview hast du Tom mal die folgende Aussage getroffen: Das Musikgeschäft ist ein „hartes Brot“, das dich mittlerweile maßlos enttäuscht hat und dass du keinem jungen Mann empfehlen kannst. Was war in deinen Anfängen und auch später einfacher? Was hat sich zum Negativen verändert?

Onkel Tom: Ich bekomme immer viele Fragen von jungen Musikern und Bands, die gerne ins Business einsteigen möchten. Der Einstieg ins Business kommt dann bei Erfolgen von ganz allein, aber niemals sollten die jungen Leute ihre normalen Tätigkeiten, wie Schule, Ausbildung, Studium und Arbeit dafür aufgeben. Man sollte sich auch unbedingt von Profis beraten lassen, bevor man etwas unterschreibt. Gibt mittlerweile gute Anwälte auf dem Gebiet. Früher gab es nur ein paar Bands, das war die Chance einen Plattendeal an Land zu ziehen erheblich größer. Heute sieht das anders aus, Hunderte neue Bands, sowie Veröffentlichungen jeden Monat, da geht man schnell unter.

 

Mostly Harmless: Tom du bist seit 1982 aktiv im Musikbereich. Wenn du zurückdenkst, was würdest du anders machen?

Onkel Tom: Ich würde fast alles wieder so machen. Erfolg hat ja nichts mit Glück zu tun, sondern entsteht durch regelmäßige und harte Arbeit. Wir haben immer den Arsch hochgekriegt und nie resigniert, wenn es mal nicht so gut gelaufen ist. Aber ich bin natürlich sehr froh und auch dankbar, dass ich es bis hier hingeschafft habe und auch ganz bestimmt ein paar Jährchen machen werde :-)

 

Mostly Harmless: Was war das Kurioste, was du je erlebt hast?

Onkel Tom: Da gibt es ZU viel, um eins herauszustellen. Mit Sodom haben wir ja zwei Doku DVDs gemacht, da wird auch das alles aufgearbeitet. Wir sind ja weltweit unterwegs, da passieren immer kuriose Dinge.

 

Mostly Harmless: Was würdest du gerne noch erleben – beruflich oder auch privat?

Onkel Tom: Im Prinzip habe ich alles erreicht, was ich mir vorgenommen habe. Das wichtigste ist natürlich die Gesundheit…, da kann ich, bis auf ein paar Wehwehchen im Alter, aber nicht klagen.

 

Mostly Harmless: Du hast nicht nur bei Onkel Tom, sondern auch noch die ein oder andere Band. Wie kriegst du das zeitlich alles geregelt?

Onkel Tom: Habe zurzeit nur noch Sodom und OT, damit bin ich auch sehr beschäftigt. Früher war ich noch Sänger bei „Desperados“ und „Die Knappen“, sowie diverser anderer Projekte. Ich habe halt immer Ideen im Kopf, die ich dann auch umsetzen will. Aber das wurde dann etwas zu viel und Termine haben sich oftmals überschnitten. Aber es hat alles unfassbar viel Spaß gemacht. Es gibt ja kaum ein Musiker, der mehr Platten veröffentlicht hat wie ich. Da kann ich auch voller Stolz drauf zurückblicken.

 

Mostly Harmless: Wie wird entschieden, welche Songs für eine Onkel Tom Überarbeitung gut sind?

Onkel Tom: Das entscheiden wir alle gemeinsam. Mittlerweile gibt es ja kaum noch Trinklieder, die wir noch nicht verwurstet haben. Unser Album „H.E.L.D.“ hat z.B. keinen einzigen Coversong. Wir sind aber in der Lage, auch eigene Songs zu schreiben, die man einmal hört und nie wieder vergisst. Jeder in der Band ist in der Lage, Songs zu schreiben, das macht es ja immer so vielfältig.

 

Mostly Harmless: Was sind die Pläne für die nächsten Jahre?

Onkel Tom: Als Nächstes steht erstmal das neue Sodom Album an und natürlich viele Konzerte und Festivals. Es gibt natürlich auch schon Pläne für neue Onkel Tom Songs. Aber alles der Reihe nach. Wir wollen das ja alles ohne Druck erarbeiten und nehmen uns die Zeit, die wir brauchen.

 

Mostly Harmless: An dieser Stelle können wir nur noch danke sagen und dir das Wort überlassen.

Onkel Tom: Besten Dank. Ich möchte mich in erster Linie bei unseren Fans für die unermüdliche und loyale Unterstützung bedanken. Was wären wir ohne euch? Also, euch allen nur das Beste und ich hoffe wir sehen uns mal wieder.

 

Euer Onkel Tom