Mostly Harmless: Hallo Andy, vielen Dank für die Zeit die du dir nimmst für unsere Fragen.

Du warst einer der Mitgründer von Rookies & Kings 2009. Plaudere mal ein bisschen aus dem Nähkästchen. Wie kam es damals dazu?

Andy: Der Ursprung liegt in der Entscheidung von Frei.Wild und Stefan, dass sie ihre Platten selbst veröffentlichen wollten. Daraufhin musste ein Labelcode beantragt werden. Stefan, Philipp und ich haben daraufhin beschlossen, dass es doch auch super wäre, wenn wir anderen Künstlern eine Plattform bieten würden, um ihre Musikkarriere nach vorne zu bringen. Wir waren ja gut aufgestellt. Stefan als erfahrener und erfolgreicher Majorlabel A&R, Philipp mit seiner Komponisten- und Produzentenerfahrung und ich als Mann der ersten Stunde, der sich um das Merchandising, die Organisation und das Produktmanagement gekümmert hat. Unsere Idee war, dass wir Künstlern aus dem Deutschrock auf allen wichtigen Ebenen (Label, Booking, Produktion und Verlag) ein Set-Up bieten, welches effektiv ist. Der Spirit und die Struktur eines Indies und trotzdem die Power eines Großen. Das hat genau deshalb funktioniert, weil wir nicht nur einen Teilbereich abdeckten, sondern alle wichtigen Säulen bedienen konnten vom Songwriting, Produktion, A&Ring, Marketing, Promotion, Aufbau der Social-Media-Kanäle, Merchandising bis hin zum eigenen Webshop, der Vertriebsanbindung und natürlich dem Livegeschäft. Wir wollten das auch nicht für alle und jeden machen, sondern halt speziell für Musik aus dem Deutschrockbereich. Lieber in einem Genre Spitzenreiter als auf mehreren Ebenen Durchschnitt (lacht). Viele meinten Rookies & Kings sei das Frei.Wild Label. Stimmt also nicht wirklich. Frei.Wild veröffentlicht natürlich auch auf Rookies & Kings, die Firma gehört aber Stefan, Philipp und mir.

 

Mostly Harmless: Sind Stefan und Philipp noch aktiv bei R&K?

Andy: Daran hat sich bis heute nichts verändert. Die Firma existiert genau in dieser Konstellation nach wie vor. Wobei man sagen muss, dass wir Anfang 2019 eine umfangreiche Kooperation mit Soulfood / Believe eingegangen sind. Bis auf eine kurze Unterbrechung arbeiten wir bereits seit vielen Jahren mit diesem Vertrieb und alle bis dahin veröffentlichte Themen zusammen. Hauptgrund dafür ist einfach die Tatsache, dass das Ding irgendwann zu groß wurde, um es mal so nebenbei mitzumachen. Vor allem Philipp musste als aktive Person da raus. Er hat mit Frei.Wild genug um die Ohren, es war wichtig, dass hierfür auch wieder die benötigte Zeit freigeschaufelt wird. Stefan hat auch genügend Projekte, sodass die jetzige Konstellation für alle Beteiligten perfekt ist. Natürlich kann ich jederzeit auf Philipp + Stefan zugreifen, wenn es um irgendwelche Fragen und / oder Entscheidungen geht. Das Tagesgeschäft geht ganz klar über mich bzw. natürlich über Soulfood / Believe, die hier einen wesentlichen Teil übernommen haben.

 

Mostly Harmless: Wie viele arbeiten eigentlich bei R&K?

Andy: Aktuell sind wir zu sechst. Wobei nicht alle in Vollzeit bei Rookies angestellt sind. Wir haben auch jede Menge Freelancer, auf die wir Projekt bezogen zugreifen können.

 

Mostly Harmless: Was machst du eigentlich genau dort?

Andy: Das Geld zählen (lacht). Nee, schön wär’s😊. Wer glaubt, dass man mit sowas reich wird, der irrt sich massiv. Das ist schon eher eine große Herzblut-Geschichte und vor allem muss man über mehrere Jahre planen. Meistens braucht es auch mehrere Jahre, bis eine Band wirklich schwarze Zahlen schreiben kann. Diese Investition gehen wir aber gerne mit, weil es einfach Spaß macht neue und junge Künstlerkarrieren anzuschieben. Im Grunde kümmere ich mich zum einen darum, bei Newcomer Themen einen entsprechenden Marketingplan zu erstellen, um sie so zu platzieren wie gewünscht. Zum anderen mache ich das klassische Produktmanagement, also die Aufbereitung der Daten Formate/Boxsets usw., die dann möglichst gesammelt an den Vertrieb gehen.

 

Mostly Harmless: Frei.Wild war die erste Band die bei R&K unter Vertrag war und Philipp Burger war der Mitbegründer. Was hat sich heute zu damals geändert?

Andy: Nichts, außer dass es eben mehr Bands sind.

 

Mostly Harmless: Es gibt einige Bands, die haben R &K im Laufe der Jahre wieder verlassen (z.B.: Hämatom, Mono Inc., Matt Gonzo Roehr, Serum 114 und Wilde Jungs). Warum?

Andy: Naja, das ist nicht wirklich etwas Ungewöhnliches. Niemand ist mit Rookies verheiratet. Es ist sogar eher an der Tagesordnung, das solche Labelverträge nur für ein bestimmtes Album unterzeichnet werden und nicht "für immer". Insofern ist das echt normal, da muss man ganz einfach auch ein wenig ohne persönliche Emotionen ran gehen. Gerade ich als Person habe das Anfangs falsch gemacht, ich musste das im Laufe der Jahre lernen. Es bringt nichts, hier nachtragend oder beleidigt zu sein. Man hat seine Vorgaben, die man bereit ist zu verhandeln. Entweder passt es dann oder die Band versucht ihren Weg woanders. Das ist alles OK und man hat keinen Streit oder sowas… alles gut.

 

Mostly Harmless: Mittlerweile hat R&K eine Menge Künstler unter Vertrag. Werdet ihr dieser Menge noch gerecht?

Andy: Frag doch mal die Bands selbst zu dem Thema 😊. Ich bekomme hier eigentlich durch die Bank weg sehr gute Resonanzen, ohne uns hier jetzt rühmen zu wollen, wenn ich mir die Pauschalleistungen anderer Labels ansehe, kann ich mit ruhigem Gewissen behaupten, dass wir hier über dem Durchschnitt liegen (lacht).

 

Mostly Harmless: Frei.Wild pusht ja schon die Bands des Labels R&K. Habt ihr bedenken was mit den Bands passiert, wenn Frei.Wild erstmal nicht spielt und dieser Push fehlt?

Andy: Überhaupt nicht. Unser Netzwerk ist in mittlerweile über 10 Jahre zu einer eigenständigen Struktur angewachsen. Im Übrigen haben wir schon immer darauf geachtet, dass dieses pushen sich in normalen Grenzen hält. Allein wegen der Tatsache, dass nicht die komplette Band Frei.Wild am Label R&K partizipiert. Solche Leistungen wurden intern auch immer an die Band vergütet, um fair gegenüber der Restband zu bleiben. Natürlich ist klar, dass wir es ohne die Unterstützung von Frei.Wild in den Anfangsjahren nicht zu dieser Größe geschafft hätten, darüber braucht man nicht zu sprechen.

 

Mostly Harmless: Wenn man sich draußen umhört, hört man viele die sagen....Puh...immer die gleichen Bands, immer die Bands von R&K. Habt ihr keine Bedenken, wenn ihr immer alle Bands auf allen Festivals bucht, das es zu viel ist?

Andy: Keine Ahnung mit wem du sprichst, ich höre eher das genau diese Bands die Festivals am Leben halten :-). Außerdem buchen nicht wir die Bands auf Festivals, sondern die Veranstalter buchen diese Bands.

 

Mostly Harmless: Es ist ja auch nicht so, dass all diese Bands aus hunderten Songs auswählen können, und deshalb immer eine andere Setlist haben.

Andy: Was willst du mir mit dieser Frage sagen? Verstehe ich nicht ganz. Auf Festivals spielt man die bekanntesten und beliebtesten Songs, das macht jede Band so, ob groß oder klein.

 

Mostly Harmless: Was genau macht eigentlich R&K für die Bands? Erzähl mal bissi detaillierter.

Andy: Och, wenn ich hier von mir selbst ausgehe, dann muss ich eigentlich sagen, dass es hier keine wirkliche Grenze gibt (lacht). Mich haben Bands schon wegen so ziemlich allem angerufen, ob es jetzt um Recording, Videos, Social Media, Boxsetinhalte geht oder um Beziehungsprobleme, Gesundheit, Bandinternas oder was auch immer, ich versuche da immer ein offenes Ohr zu haben. Gott sei Dank haben einige Bands mittlerweile ein Management, sodass mir hier diverse Sachen abgenommen werden. Aber grundsätzlich können die Bands mit jedem Thema zu uns kommen, in dieser Beziehung sind wir Oldschool.

 

Mostly Harmless: Und wie helft ihr Bands die wegen der Zugehörigkeit von R&K und die Verbindung mit Frei.Wild angefeindet werden oder nicht mehr gebucht werden?

Andy: Also grundsätzlich gibt es hier mit jeder Band, die bei uns unterzeichnet, ein ausgiebiges Gespräch zu diesem Thema. Wer bei Rookies&Kings unterzeichnet, der muss sich bewusst sein, dass es nicht nur Freunde und Support gibt. Das ist aber auch ok. Musikbusiness ist auch Entertainment und Geschmäcker sind nun mal auch verschieden. Aber sind wir mal ehrlich, 99% der Bands wären ohne R&K dort auch nicht gebucht worden :-). Insofern müssen wir hier nicht großartig helfen bzw. werden gar nicht darum gebeten. Ich persönlich finde solche Diskussionen eh mehr als lächerlich. Ich denke, dass solche Sachen auch nicht von den VAs selbst kommen, sondern vom öffentlichen Druck diverser (meist uninformierter) Hater. Oft kommen diese Hater aus dem Umfeld anderer dort spielenden Bands, die nur Angst um ihren eigenen Ruf haben. Ich würde mir wünschen, wenn mehr Bands hier einfach mal realistisch über ihren Schatten springen würden, das würde der Szene enorm helfen.

 

Mostly Harmless: Es gab vor einigen Tagen einen Artikel der sich auf euren Teaser und die "vielen" Worte vom Philipp bezieht. Es kamen mal wieder Philipp und einige eurer Künstler (z.B.: Stunde Null und Wiens No 1) nicht gut weg. Was sagst du zu diesem Artikel?

Andy: Ich sag’s mal so, wer so "ausgiebig recherchiert" hat und ein Album mit dem positiven Titel "Alles voller Welt" mit dem Titel "Alles voller Wut" verwechselt, der ist als Informationsplattform nicht ernst zu nehmen (lacht).

 

Mostly Harmless: Prüft ihre eure Bands nicht vor Vertragsunterzeichnung?

Andy: Natürlich, wir sprechen mit jedem Künstler und jeder Band ausführlich, bevor wir miteinander kooperieren. Wir haben sogar seit einigen Jahren einen extra Paragrafen im Vertrag. Wir bieten keine Plattform für Künstler / Menschen mit extremen Gedankengut, egal in welche Richtung. Rookies & Kings steht für Toleranz, Demokratie, Meinungs- und Kunstfreiheit. Wir akzeptieren keine Ausgrenzungen egal welcher Art (Religion, Sexualität, Herkunft). Das mögen ja einige immer noch nicht glauben, aber die Fakten sind eindeutig.

 

Mostly Harmless: Stimmen diese Aussagen aus diesem Artikel überhaupt?

Andy: Naja, die ersten 3 Worte sind ja bereits falsch: "Das Freiwild-Unternehmen hat...". Der inhaltliche Rest ist doch eindeutig. Es wird versucht zu beweisen, dass Rookies alle Bands hat, die Dreck am Stecken haben, dabei wird halt auch zu unfairen und unwahren Mitteln gegriffen. Dabei ist es egal, ob der Kumpel des Kumpels ein politisches Problem hat oder die Person selbst. Ich erzähle dir dazu mal eine kleine Geschichte: Wir haben vor Jahren mal einen Fußballverein gesponsert, die komplette Jugendmannschaft mit Trikots, Taschen usw. ausgestattet. Dann kam die Echoausladung von Frei.Wild. Daraufhin ist der Verein komplett zurückgerudert. Ich habe daraufhin einen Brief verfasst, indem ich dem Vorstand sagte, dass die Entscheidung für mich der sprichwörtliche Dolch in den Rücken ist. Daraufhin bekam ich ein Antwortschreiben mit detaillierten Wikipedia Links über die Dolchstoßlegende aus dem 2. Weltkrieg und der Aussage das es ja klar ist das von so einem wie mir so etwas kommt. Bis zu diesem Tage hatte ich noch NIE etwas von einer Dolchstoßlegende gehört. Warum auch, das war ein scheiß Sprichwort, wie z.B. auch "Morgenstund´ hat Gold im Mund" soll ich jetzt vorher erstmal googeln ob dabei eventuell das geraubte N…gold aus dem 2. Weltkrieg gemeint ist? …. Absurd.

 

Mostly Harmless: Wir wechseln mal das Thema. Wir von Mostly Harmless, waren bei fast all euren Bands die Ersten (um ein paar zu nennen Frei.Wild, Unantastbar, Wilde Jungs, Artefuckt, Stunde Null usw. usw.) die sie interviewt haben, mit Fotos und Links durchs Netz „getreten“ haben. Wie wählt ihr die heutigen Reporter/Presse aus die ihr auf eure Bands loslasst?

Andy: Also generell hat erstmal jeder ernstzunehmende Reporter die Möglichkeit, mit unseren Bands ein Interview zu vereinbaren. Dabei ist es auch irrelevant, ob diese Presseplattform eher pro oder kontra zu uns eingestellt ist. Allerdings erwarten wir irgendwo eine echte Auseinandersetzung mit der entsprechenden Band. Die in den vorherigen Fragen angesprochene Plattform wäre somit raus, da der entsprechende Reporter einfach seine Hausaufgaben nicht gemacht hat 😊. Als Pressevertreter erwarten wir von diesen zumindest eine offene und vorurteilsfreie Berichterstattung, sonst können wir uns das Ganze auch schenken. Also nochmal: Kritik gerne und immer erwünscht, aber reflektiert.

 

Mostly Harmless: So, wir sind am Ende des Interviews angekommen. Magst du noch was loswerden?

Andy: Danke, macht weiter so, denn die Szene braucht solche Leute wie euch!

Danke dir und bis bald mal wieder.